Feeds
Artikel
Kommentare

MHD bei Bonbons?

Auf Bonbon-Tüten ist ja auch ein Mindesthaltbarkeitsdatum aufgedruckt.

Ich hab’ da eine Theorie. Wenn dieses Datum überschritten ist, kann man die in der Tüte enthaltenen Bonbons essen, ohne dass man davon Karies bekommt oder dick wird.

Es gibt ja bei jeder Verpackung eine vom Hersteller vorgesehene Methode, wie man sie öffnen sollte. Perforationen, Klebeverschlüße, Aufreißlaschen, Aufreißbändchen, Sollbruchstellen, ausgekügelte Falzungen. Meist sind diese Stellen deutlich markiert – Rot hat sich als bevorzugte Farbe für diesen Zweck etabliert – und dank mehr oder weniger ausführlicher Pictogramme und eindeutiger Pfeile ist es selbst für Menschen, die des Lesens nicht mächtig sind, im Normalfall zu bewerkstelligen.

Natürlich ist mir bewußt, dass Aufreißbändchen an eingeschweißten 5er-Backpulverpackungen praktisch NIE funktionieren. Auch die Deckelfolien der meisten Billigjoghurts sind für normale Menschen praktisch nicht in einem Stück von der Packung entfernbar. Und ich will auch zugute halten, dass es Pappverpackungen gibt, die auch an der vorgesehenen Öffnungsstelle derart fest verklebt sind, dass sie auch einem Werkzeugeinsatz mühelos standhalten.

Aber ich kenne Menschen, die diese Vorschläge grundsätzlich ignorieren. GRUND-SÄTZ-LICH. Für die es eine Art Sport und ein Ausdruck falsch verstandener Individualität geworden zu sein scheint, sämtliche Packungen NICHT an den vorgesehenen Stellen zu öffnen. Es würde zu lange dauern, die Sachen aufzufummeln. Rabiat aufreißen wäre leichter und schneller.

Ja genau. Es ist bestimmt viel leichter und effizienter, die Vakuumverpackung Kaffee mit dem Messer aufzuschneiden. Dabei rieselt natürlich ein Viertel des Kaffeepulvers auf den Fußboden, wo man es dann wieder auffegen muss. Das ist bestimmt schneller, als die Packung an den vorgesehenen Laschen aufzuziehen. Die Windelpackung muss man auch nicht an der Perforation aufreißen. Wenn man die einfach irgendwo aufreißt, fallen die Windeln nämlich nicht nur einmal, sondern bestimmt schon drei Mal runter, müssen wieder eingesammelt und neu gestapelt werden. Echte Zeitersparnis, sowas.  Packboxen, die individuell aufgerissen werden, lassen sich eben nicht wiederverschließen. Das ist vielleicht grundsätzlich nicht so schlimm, aber wenn es sich um eine Verpackung handelt, die über einen längeren Zeitraum im Sichtbereich steht, dann ist das zumindest optisch suboptimal (oder, anders ausgedrückt: Es nervt!).

Ich versuche, meinen Kindern von Anfang an den richtigen Umgang mit Verpackungen zu erklären. Allerdings fürchte ich, dass es gewisse Kräfte im Kosmos gibt, die diesem meinem Ziel entgegen arbeiten…

Pudding-Romanze

Am Anfang habe ich Karin übersehen. Klein, zierlich, mit schulterlangem blondem Haar. Eher zurückhaltend, immer im Hintergrund. Karin hat mich entdeckt. Sie hat wie zufällig nach der Bedeutung von Vokabeln gefragt, quasi im Vorbeigehen. Wollte die Mathe-Hausaufgaben mal schnell vergleichen oder bat mich um die Bio-Arbeitsbögen.

Aus flüchtigen Begegnungen im Klassenraum wurden schnell längere Gespräche, und es dauerte gar nicht lange da unterhielten wir uns über alles Mögliche. Wir trafen uns meist schon in den Fahrradständern vor der Schule, wenn wir unsere Räder abstellten. Eines Morgens, ich hatte das Gefühl, spät dran zu sein, strampelte ich unwillkürlich schneller auf meinem Rad. Als ich bei den Fahrradständern ankam, suchte mein Blick ihr Rad. Es stand nicht an seinem Stammplatz. Auch in der Nähe konnte ich es nicht entdecken. Ich musste unwillkürlich lächeln – da hatte ich es wohl doch geschafft, die Verspätung aufzuholen, und war früher angekommen als Karin. Ich hatte keine Eile damit, mein Rad anzuschließen, und warf immer wieder Blicke zur Einfahrt, wo sie nun jeden Moment auftauchen musste. Irgendwann war das Rad dann doch abgeschlossen, die Tasche vom Gepäckträger genommen. Ich blieb unschlüssig stehen, starrte Richtung Einfahrt. Das erste Klingeln der Schulglocke nahm ich nur am Rande wahr. Ich schlenderte übertrieben langsam in Richtung Einfahrt. Eigentlich war schon das verboten und nah am Rande des “Unerlaubten Verlassens des Schulgeländes”, was mit einem Tadel geahndet werden konnte, aber das war egal. Ich ging bis an die Grenze. Blickte die Straße hinunter, in die Richtung aus der sie kommen musste. MUSSTE. Es klingelte zum zweiten Mal. Ich drehte mich um, machte einige zögerliche Schritte Richtung des Klassenzimmers, in dem jeden Moment der Unterricht beginnen würde. Aber ich konnte doch jetzt nicht an unregelmäßige Verben im Englischunterricht denken.

Ich fuhr wieder herum, starrte wieder in die Richtung aus der Karin kommen würde. Bestimmt kommen würde. Und tatsächlich – war sie das nicht? Ja, Karin kam die Straße hochgeradelt, hektisch, schlingernd. Sie bog auf die Auffahrt ein, ich sprintete neben ihr her zum Fahrradständer. “Mir ist die Kette abgelaufen!” rief sie mir zu und zeigte mir ihre verschmierten Hände. Ich lachte, als ich ihr half, das Fahrrad in den Ständer zu bugsieren, sie riss die Tasche aus dem Korb und schloß das Fahrrad ab. “Und ich habe Dir geholfen!” rief ich lachend und schmierte mir ebenfalls reichlich Kettenfett auf die Hände. Wir rannten nebeneinander zum Schulgebäude, die Treppen hoch und den Korridor herunter zum Klassenzimmer. Als wir ungestüm die Tür aufrissen, fuhr die Lehrerin herum und starrte uns an. “Und wo bitte kommt ihr jetzt her?” – “Meine Kette war abgelaufen!” entgegnete Karin, und ich fügte wie abgesprochen das “Ich hab’ ihr geholfen!” hinzu, während wir unsere verschmierten Hände als ultimativem Beweis in die Luft streckten. “Dann geht gefälligst erstmal und wascht Euch”, schallte es uns entgegen, “ihr macht ja alles dreckig!”

Wir ließen unsere Taschen fallen und wandten uns Richtung Toiletten. Wir hatten es jetzt nicht mehr eilig. Grinsend spazierten wir den Gang hinunter und plauderten, so wie wir es an jedem anderen Morgen auch getan hätten. Als wir bei den Toiletten ankamen, blickte Karin sich um, grinste verschmitzt und folgte mir dann einfach in die Jungen-Toilette, wo wir uns ungestört nebeneinander gründlich die Hände reinigten, bevor wir dann doch etwas beschleunigten Schrittes in den Klassenraum zurückkehrten. Es fiel mir trotzdem schwer, dem Unterricht zu folgen. Ich lächelte vor mich hin. Sie war doch noch gekommen. Ich wäre sonst wahrscheinlich den ganzen Vormittag an der Einfahrt stehen geblieben.

Nach ein paar Wochen, der Herbst neigte sich bereits dem Ende zu, stand Karin eines Nachmittags vor der Tür. Sie wolle mich besuchen, verkündete sie ganz ohne Einleitung, und mal sehen wie ich so wohne. Bevor ich auch nur ein Wort sagen konnte war sie an mir vorbei getreten. “Oben?”, fragte sie. Als ich nickte ging sie die Treppe hoch als hätte sie nie etwas anderes getan und trat durch die offene Tür zielstrebig in mein Zimmer.

Als ich selbst endlich den Weg nach oben fand sass Karin auf meiner Schlafcouch und sah mich erwartungsvoll an. Wir redeten, sie interessierte sich für meine Schallplatten, für meine Bücher. Wir hörten Musik, ich zeigte ihr meine Lieblingsbücher, sie lieh sich ‘Die Brautprinzessin’ aus. Dann stand sie auf, sagte sie müsse nun nach Hause und ging. Als ich am nächsten Tag in der Schule fragte “Sehen wir uns heute nachmittag?” lächelte sie, drückte ganz kurz meine Hand und sagte “Natürlich!”.

Sie kam wieder zu mir. Wir haben weitergemacht wie am Tag vorher – reden, Bücher, Platten hören. Sie kam beinahe jeden Tag. Als es draussen kalt wurde, begannen wir Tee zu trinken, und an meinem Geburtstag im Dezember küsste sie mich zum ersten Mal. Küssen und kuscheln nahm dann natürlich einen guten Teil der gemeinsam verbrachten Zeit ein, aber während Musik und Literatur ein wenig in den Hintergrund gerieten, hielten wir doch an einem Ritual fest: Wir aßen täglich gemeinsam Pudding.

Da er zum Teil mit gefährlichen Chemikalien hantieren musste, brachte mein Vater zu jener Zeit jeden Abend 2 l Vollmilch mit nach Hause, zum Entgiften des Körpers. Eine gute und wohlschmeckende Methode, dieser Milchmenge Herr zu werden, war es, sie in Pudding zu verwandeln. Wir hatten damals eine große Glasschüssel, die geformt war wie eine Apfelhälfte. In dieser Schüssel bereiteten wir allabendlich 1 l Milch mit zwei Paketen Instant-Pudding (ohne Kochen) zu, wechselweise in den Geschmacksrichtungen Vanille, Himbeer oder Karamell. Wir trugen die Schüssel dann in mein Zimmer, setzten uns, die Schüssel in der Mitte, gegenüber auf den Fußboden und aßen gemeinsam unseren Pudding. Natürlich begannen wir damit, den Löffel am Rand anzusetzen und rundherum einen Graben zu ziehen, der möglichst exakt der Form der Schüssel folgte. Manchmal fütterten wir uns gegenseitig. Manchmal machten wir einen Wettbewerb daraus, wer den Pudding schneller in sich hineinschaufeln konnte. Wir haben uns sogar ein- oder zweimal ein ganz klein wenig vorsichtig gegenseitig mit Pudding beschmiert.

apfelschale02

Exakt so eine Schale wie diese hier!

Selbstverständlich waren wir manchmal auch zusammen unterwegs. Wir gingen rodeln, spazieren, Schlittschuh laufen. Als der Schnee schmolz und man das erste Mal das Gefühl hatte, den Frühling spüren zu können, fuhren wir lachend mit unseren Fahrrädern durch die Marsch. An den ersten wirklich warmen Sonnentagen im April lagen wir gemeinsam im Gras und beobachteten Kiebitze, die nur für uns die tollsten Flugmanöver demonstrierten. Aber immer stellten wir sicher, dass am Abend der Pudding auf uns wartete. Und jeden Abend aßen wir ihn gemeinsam aus der Apfelschüssel, bevor Karin dann wieder nach Hause ging.

Ich habe die Zeit sehr genossen, und vielleicht auch deshalb, weil es für mich sehr bequem war, habe ich Karin in all diesen Monaten nie gefragt, warum wir uns nicht einmal bei ihr treffen könnten. Für mich war alles in Ordnung wie es war, und so ist mir diese Frage nie in den Sinn gekommen. Aus unseren Gesprächen wusste ich, dass Karin ihr Elternhaus als sehr streng empfand, und wahrscheinlich war ich auch nicht sonderlich scharf darauf, solch strengen Eltern zu begegnen.

An einem Freitagnachmittag im Mai, bei herrlich warmen Frühsommerwetter, hatte ich den Nachmittag alleine über meinen Hausaufgaben und im Garten verbracht, da Karin mir bereits in der Schule verkündet hatte, dass sie am Nachmittag beschäftigt wäre. Sie hatte aber auch gesagt, dass sie später noch vorbeikommen und mit mir Pudding essen wolle.

Schon als ich ihr die Tür öffnete, hatte ich ein seltsames Gefühl. Sie blickte recht finster drein, drückte sich an mir vorbei und stapfte direkt nach oben in Richtung meines Zimmers. „Warte, ich hole noch den Pudding!“ rief ich ihr hinterher und eilte kurz darauf mit unserer Schüssel und zwei Löffeln die Treppe hoch. Karin stand, den Rücken zu mir gewandt, am Fenster und blickte hinaus. Als ich die Zimmertür hinter mir schloss, drehte sie sich um und schaute mich lange an, mit versteinerten Gesicht. „Was ist los?“, fragte ich sie.

„Ach du verstehst auch überhaupt nichts!“, schrie sie mich an. Sie riss mir die Puddingschale aus den Händen und warf sie zwischen uns zu Boden, wo sie mit einem lauten Knall zerbrach und der Pudding in alle Richtungen davon spritzte. Dann sprang sie auf mich zu und warf mich mit dem Rücken gegen die Tür des Kleiderschrankes, vor dem ich stand. Der Knauf der Schranktür bohrte sich schmerzhaft in meinen Rücken und hinterließ ein Hämatom, dass mich noch wochenlang quälen sollte. Karin schlang ihre Arme um meinen Hals, riss meinen Kopf zu sich herunter und küsste mich ungestüm.

Ich war völlig perplex und rührte mich nicht. Als sie von mir abließ, sah ich die Tränen in ihren Augen. Ohne ein weiteres Wort stürmte sie aus dem Zimmer, die Treppe herunter, rief meiner Mutter kurz ein “Auf Nimmerwiedersehen!” zu und schmiss die Haustür mit einem lauten Knall ins Schloss. Als ich endlich die Treppe hinunter geeilt war und die Tür wieder aufriss, sah ich sie eilig auf dem Fahrrad davonfahren.

Ich wollte sofort hinterher stürzen, aber meine Mutter hielt mich zurück. Was denn passiert wäre, fragte sie, und ich erzählte ihr die ganze Geschichte. Meine Mutter überredete mich, bis zum nächsten Tag zu warten, um Karin die Gelegenheit zu geben, sich zu beruhigen. Sie war überzeugt, dass ich irgend etwas sehr Dummes getan haben musste, um Karin derart aufzuregen, und empfahl mir, noch einmal genau nachzudenken, was ich ihr nicht erzählt hätte und was wohl der Auslöser für diesen Ausbruch gewesen sein mochte.

Am nächsten Tag schnappte ich mir sofort nach dem hastig heruntergeschlungenen Frühstück mein Rad und fuhr zu Karins Elternhaus. Ich stand vor dem geschlossenen Gartentor, vor der akkurat geschnittenen Ligusterhecke, und starrte auf das eckige rote Backsteingebäude. Der Vorgarten war perfekt gepflegt, der Gehweg zum Haus zeigte kein Fitzel Unkraut. Aber die Fenster starrten leer auf die Straße. Keine Blume auf den Fensterbänken, keine Gardinen, überhaupt kein Fensterschmuck.

Ich ließ mein Fahrrad auf dem Bürgersteig liegen, öffnete zögernd das Gartentor, dass auf gut geölten Scharnieren leicht und lautlos aufschwang. Zögernd näherte ich mich dem Haus, als mich von der Seite eine Stimme anrief. “Wen suchst du denn, Junge? Wolltest du dich noch von Karin verabschieden? Die ist schon um vier Uhr mit ihrer Familie abgefahren!” – “Abgefahren?” Ich verstand nicht. Die Frau, die Nachbarin klärte mich dann auf: Karins Vater war Soldat, Hauptmann der Luftwaffe, das wußte ich. Er war versetzt worden, nach irgendwo in Süddeutschland. Die Familie hatte in der vergangenen Woche den Umzugswagen gepackt und war in aller Frühe aufgebrochen.

Ich erfuhr in den nächsten Tagen, dass niemand wirklich etwas gewusst hat. Die Familie hatte nicht viel Kontakt zu den Nachbarn, war erst zwei Jahre zuvor in dem Haus eingezogen. Der Vater ging morgens früh aus dem Haus und kehrte oft erst spät abends zurück. Die Mutter hielt Haus und Garten makellos in Ordnung. Karin, das einzige Kind der Familie, galt als freundlich aber schüchtern. Sie grüßte, hat aber niemandem in die Augen gesehen. Karin hatte nicht viele Freunde. Melanie, die einzige wirkliche Freundin von Bedeutung, erzählte mir, dass sie von Karin einen langen Abschiedsbrief bekommen hätte, diesen aber auch erst an jenem Sonnabend Morgen im Briefkasten gefunden hätte. Natürlich wusste die Schule Bescheid. Die Eltern hatten aber darum gebeten, in der Klasse keine Abschiedszeremonie zu veranstalten, da Karin so etwas in vorherigen Schulen nur belastet hätte.

Ich habe nie versucht, Karin wiederzufinden. Zuerst war ich verletzt, dann trotzig und am Ende – ich entschuldige mich heute mit meiner Jugend – hat mich der Alltag vergessen lassen. Jahre später, ich war zu einem Polterabend eingeladen, drückte mir meine Mutter die kleinen Apfelform-Glasschälchen zum zerschmeissen in die Hand. Ich habe lange dagestanden und die Schüsseln in der Hand betrachtet. Dann habe ich sie eine nach der anderen auf den Boden geworfen und mich lächelnd an jenen letzten wilden und ungestümen Kuss erinnert.

Klingelschildgeschichten

Manchmal gehe ich durch die Straßen und blicke auf die Klingelsschilder der Häuser, an denen ich vorüber gehe.

Hinter jedem dieser Namen steht eine Geschichte. Kleine Geschichten, große Geschichten. Geschichten, die zu weiteren, neuen Geschichten führen. Geschichten, die klein anfangen und groß werden, Geschichten die klein bleiben und Geschichten, die einfach irgendwann enden.

Alle sind es wert, erzählt zu werden. Für einige möchte ich das tun.

Pseudopoesie I

Ich finde es wirklich prima, wenn Menschen eloquent und pointiert einen Sachverhalt oder gar Gefühle auszudrücken vermögen. Allerdings gibt es nur wenige, die über das Stadium pseudopoetischen Betroffenheitsgelabers hinaus kommen.

Ich freue mich noch mehr, wenn sich diese Menschen dabei überdies noch an die allgemein anerkannten Regeln der Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung halten – denn auch das gibt es nur sehr, sehr selten.

Wenn die große Mehrheit jener Menschen, die das oben genannte (vernünftige Texte richtig schreiben) eben nicht können, ihre Ergüsse als ganz normales Statusupdate in Textform bei Facebook posten, ist das ja noch okay. Das ist unaufdringlich, schnell zu erfassen und entweder zu mögen (extrem selten bis nie) oder zu ignorieren (habe ich gelernt; das geht).

Leider aber trifft jene Mehrheit oben genannte Mehrheit viel zu häufig auf die andere Mehrheit jener, die sich zu grafischer Gestaltung berufen fühlen. Bei denen eben dieser Ruf aber häufig nur eine ganz schlimme Form von Tinitus ist.

Dann werden unter beherzter Missachtung jeglichen Geschmacks und unter Umgehung aller Regeln von Form, Farbe und Typographie aus schlechten Texten unerträgliche Grafiken. Und diese werden auf Facebook-Seiten mit langen und fragwürdigen Titeln wie “Wenn ich dichte ist das wie ein Mixer im Dickdarm – was rauskommt ist gequirlte Scheiße” verbreitet, wo sie von manchen Mitmenschen bedenkenlos geteilt werden.

Ich weiß, die meinen es nur gut. Ich weiß, die haben das Gefühl, die Worte und/oder die Bilder würden Ihnen irgendetwas sagen. Aber ich weiß auch, dass mir diese Sachen tierisch auf die Nerven gehen. Sollen die, die es wollen, den Kram lesen, sich dran wärmen, aber ihn dochj bitte für sich behalten.

Faire Warnung: Ich behalte mir ausdrücklich vor, Menschen aus meiner Timeline zu entfernen, die es mit solchen Beiträgen übertreiben. Nichts für ungut, aber ich ertrage den Mist einfach nicht mehr.

Spielzeugverpackungen

Ich hab’ da eine Theorie.

Ich glaube in China gibt es einen Ausbildungsberuf für Spielzeugverpacker. Eine dreijährige Lehre, in der diese Menschen lernen, Spielzeug so zu verpacken, dass man für das Entpacken entweder grobes Werkzeug oder den Gleichmut und die Geduld eines buddhistischen Eremiten benötigt.

Die Abschlußprüfung besteht darin ein Spielzeug – sagen wir mal, die Elfenkutsche von Schleich, nur so als Beispiel – so zu verpacken, dass man an einem beliebigen Heiligabend einen handelsüblichen Mitteleuropäer in den Wahnsinn treibt.

Ich weiß jedenfalls, dass einer bestanden hat.

Hoppla, da ist schon wieder ein ganzes Jahr vergangen und ich habe wieder nicht ein Wort hier geschrieben, Aber weil ich Traditionen mag, weil ich den ESC mag, und weil ich Lust dazu habe, werde ich den heutigen Eurovisions-Fernsehabend wieder damit verbringen, meine unqualifizierten Bemerkungen und meine unmassgebliche Meinung in die uninteressierte Welt herauszuposten… vielleicht liest ja doch mal jemand rein.

Wie üblich habe ich mir extra noch keinen der Songs des heutigen Abends angehört. Ich lasse mich da gerne überraschen. Natürlich kenne ich den deutschen Beitrag, klar, aber man hätte in den letzten Wochen schon deutlich jenseits des Mars leben müssen, um den Song nicht dauernd im Radio an- oder ausgespielt zu hören. Auch wenn ich ‘Taken By A Stranger’ anfangs überhaupt nicht mochte, muss ich mittlerweile gestehen, dass das Lied ein gewisses Ohrwurmpotential hat. Ich ertappe sowohl mich als auch die TFDW© immer mal wieder dabei, dass wir die Melodie vor uns hin summen.

Aber: ich finde es grundsätzlich total daneben, dass Lena in diesem Jahr noch einmal antritt. Als Stefan Raab diese blöde Idee schon direkt nach dem erfolg vom letzten Jahr ins Spiel brachte, hatte ich gehofft, dass ihn die anderen Verantwortlichen bei der ARD schon wieder von der Schnapsidee abbringen würden. Aber nein, er zieht das durch. Und das ist, in meinem Augen, ein echter Raabismus: Selbstüberschätzung, Unbelehrbarkeit und der feste Glaube daran, er selbst wäre der letzte Mensch im europäischen Fernsehen, der etwas von Unterhaltung versteht.

Ich behaupte, Lena hat in diesem Jahr keine Chance. Selbst wenn ihre Performance beeindruckend und der Song überragend wäre, gehe ich einfach nicht davon aus, dass die Zuschauer sie ein zweites Mal wählen würden. Aus Prinzip schon nicht. ICH würde es nicht tun. Ich würde einen solchen Versuch eines Künstlers aus jedem anderen Teilnehmerland ebenso als überheblich und arrogant abstrafen und garantiert nicht belohnen.

Ich frage mich wirklich, warum das sein mußte. Das Auswahlverfahren im letzten Jahr fand ich prima, unterhaltsam und letztlich ja auch noch überaus erfolgreich – warum konnte man es diesmal nicht erneut so machen? Vielleicht – ich behaupte sogar: wahrscheinlich! – hätte man einen neuen echten Siegertypen gefunden, männlich oder weiblich, und man hätte wieder einen tollen Song für sie oder ihn gefunden, und man hätte einen frischen Künstler ins Rennen geschickt, der – wer weiß? – vielleicht sogar den Titel hätte verteidigen können.

Naja… hätte und können und wenn und wäre – es nützt ja alles nichts. Wir müssen jetzt das nehmen, was wir haben, und hoffen, dass Lena das beste daraus macht. Letztendlich wird es mir den Spaß an der Veranstaltung an sich nicht verderben, und ich bin auf den Ausgang des Eurovision Song Contest ebenso gespannt wie die Jahre vorher.

So denn – lasset die Spiele beginnen! Hier ist das Line-Up des Abends; ab 21 Uhr geht’s dann los! Bis später!

Wow, das geht ja schon mal gut los. Anke Engelke, Judith Rakers und Stefan Raab vertreten Lena und rocken die Bühne. Ein sympathischer, fröhlicher und optisch beindruckender Start der Show. Das gefällt.

01. Finnland
Paradise Oskar – “Da Da Dam”

Das der schon alleine so lange aufbleiben? Ein bißchen aufgeregt scheint er zu sein, ein wenig zittert die Stimme. Aber dafür lächelt er nett, und das Videobild ist tatsächlich so beeindruckend wie man schon vom Halbfinale hörte. Schön ist ja, dass der Refrain absolut international ist – Da Da Dam Dadadadadadam kriegt jeder hin.

02. Bosnien-Herzegowina
Dino Merlin – “Love In Rewind”

Was ist das denn? Der bosnische Reinhard May zusammen mit den Gebrüdern Blattschuss übt für’s Jodeldiplom? Ich weiß ja, das es dem Land nach dem fürchterlichen Bürgerkrieg noch nicht wieder richtig gut geht, aber dass es dort so schlimm steht…

03. Dänemark
A Friend In London – “New Tomorrow”

Na, da will ich mal hoffen, dass der Freund aus London für die Jungs anruft – ich würde es wohl nicht tun. Optisch ein bißchen Eighties, kann ich mit dem Song so gar nichts anfangen, und die aufrüttelnde und mitreißende Botschaft des Songs geht in Kinderreimschemen unter.

04. Litauen
Evelina Sašenko – “C’est Ma Vie”

Lithauen singt französisch? Nein, die Strophe ist englisch, aber der Refrain ist französisch. Wollte man da einer möglichst breiten Masse gefallen? Dann sollte der Song nicht wie aus einem schlechten Andrew Lloyd-Webber Musical klingen. Naja, wenigstens würden die Gesten dazu passen.

05. Ungarn
Kati Wolf – “What About My Dreams”

Vielleicht hätten sie ein bißchen Stoff von den Armen unten an das Kleid anfügen sollen, dann könnte sich die Arme wenigstens bewegen, ohne die Jugendfreigabe der Sendung auf’s Spiel zu setzen. Die Tänzer haben sie aus Tron geklaut, oder? Stimmlich nicht überzeugend, und der Sound ist aus den Siebzigern.

06. Irland
Jedward – “Lipstick”

Meine Güte, was ist das denn? Die Söhne der Pet Shop Boys haben einen Stromschlag bekommen? Ich finde den Sound ziemlich flach, die Bühnenshow dafür umso überzogen. Und das soll einer der Favoriten sein? Och nöööööö.

07. Schweden
Eric Saade – “Popular”

Oh, der ist ja süß. Geiles Intro, und dann kommt irgendwie nix mehr. Ich finde das nicht eingängig, und die Stimme klingt mir ziemlich gepresst. Dafür kann er “seine Choreo total gut performen”, wie es bei diesen Castingshows jetzt wieder heißen würde. Dort hätte er bestimmt auch durchaus seine Chancen – die Ansprüche sind dort ja total gesunken.

08. Estland
Getter Jaani – “Rockefeller Street”

Alice im Wunderland führt gleich mal ‘nen Zaubertrick vor. Soll das von der Gesangsleistung ablenken? Klingt ein bißchen wie eine Spieldose, aber wenigstens sieht es so aus, als hätte sie echt Spaß dort auf der Bühne. Insgesamt aber eher Spätneunziger-Pop, plätschert dahin, ohne hängen zu bleiben.

09. Griechenland
Loukas Yiorkas feat. Stereo Mike – “Watch My Dance”

Ah, man warnt uns vor einer interessanten Mischung aus neu und alt. Der Rap-Teil klingt ein bißchen unmotiviert, und nun kommt der griechische David Beckham und schmettert einen… Die Breakdancer sind ziemlich genial, aber der Videohintergrund mit der Optik von Griechische-Spezialitäten-Restaurant-Speisekarten ist eher geschmacksverirrt.

10. Russland
Alexey Vorobyov – “Get You”

Oh my goodness… Er ist schön, er weiß das auch. Ein lukrativer Werbevertrag mit einer Zahnpastamarke scheint sicher. Er versucht das Publikum anzufeuern, er gibt tänzerisch alles. Aber das bleibt alles so nichtssagend, das klingt wie billiger Instant-Kaffee – kein Aroma, keine Wirkung, schnell vergessen.

11. Frankreich
Amaury Vassili – “Sognu”

Ja, doch, netter Versuch, Frankreich. Der einsame Held steht vor der Kulisse der Götterdämmerung und schmettert eine Opernarie auf Korsisch. Ich frage mich nur, ob sowas Hitpotential hat. Sollte eine ESC-Sieger nicht Hitpotential haben?

12. Italien
Raphael Gualazzi – “Madness Of Love”

Geht es nur mir so, oder zeigen sich durch die Live-Auftritte und eine sehr gute, klare Tontechnik in Düsseldorf dort heute die Unzulänglichkeiten der Künstler besonders schonungslos? Ich finde, der haut ganz schön daneben zum Teil, und jetzt sagt mir nicht, dass das alles Jazz ist und so gewollt.

  • Zwischendurch: ich finde die Bühnentechnik und die Lichtausstattung in Düsseldorf total beeindruckend und wunderschön.Und das klopfende Herz als wiederkehrendes Element im Zusammenhang mit dem Slogan “Feel Your Heart Beat”.


13. Schweiz

Anna Rossinelli – “In Love For A While”

Bilder aus den Sechzigern, ein bißchen psychedelisch vielleicht, aber endlich mal ein Song, den ich sehr eingänglich finde. Vorgetragen von einer attraktiven jungen Dame mit einer tollen Stimme. Mein erster Favorit, sage ich jetzt mal.

14. Vereinigtes Königreich
Blue – “I Can”

Blue? Waren das nicht die, die den Weihnachtshit-Wettbewerb gegen Billy Mack verloren haben? Als sie noch jung waren, gut aussahen und vor allem singen und tanzen konnten? Jetzt sind sie ihre eigenen Background-Tänzer – dabei haben ihnen viel eher ein paar vernünftige Backroundsänger gefehlt, die vielleicht stimmlich noch was rausgerissen hätten. Da rettet auch kein bekannter Name. Ehrlich, England – vielleicht solltet Ihr die nächsten Jahre einfach gleich zu Hause bleiben, das wäre weniger peinlich.

15. Moldau
Zdob si Zdub – “So Lucky”

Die Moldau-Zwerge mit Krawall-PopRapRockChaos. Die armen Kinder, die jetzt ohne Schultüten den ersten Schultag überstehen müssen. Das ist schräg und bleibt deshalb sogar im Gedächtnis. Nicht dass ich das jetzt wirklich gut fand, aber zumindest hat es sich aus der Masse wohltuend abgehoben. Andererseits bin ich auch froh, dass es wieder vorbei ist.

16. Deutschland
Lena – “Taken By A Stranger”

Wow. Ein absolut perfekter Auftritt von Lena, und wider Erwarten und obwohl ich es eigentlich nicht will fand ich das beeindruckend gut. Ich bin jetzt wirklich gespannt, was der Rest von Europa davon hält…

17. Rumänien
Hotel FM – “Change”

Noch ein Sunnyboy, aber irgendwie ein netter. Ich finde das Lächeln sehr entwaffnend. Allerdings stammt die Musik wohl wieder aus dem großen Kübel, in dem die Musikindustrie seit etwa 60 Jahren die Zutaten zu Standard-Retorten-Songs vor sich hin brodeln läßt und wo sich jeder bei Bedarf ein vermeintliches erfolgsrezept für einen Hit herausziehen kann. Manche greifen aber eben – wie knapp auch immer – daneben.

18. Österreich
Nadine Beiler – “The Secret Is Love”

Ah, die uneheliche österreichische Tochter von Mireille Mathieu singt eine weitere Musikal-Ballade. Und das klingt gar nicht mal schlecht. Vor allem die Stimme ist voluminös, kräftig und qualitativ hochwertig. Net schlecht, Austria!

19. Aserbaidschan
Ell / Nikki – “Running Scared”

Aserbaidschan. Sie haben nicht viel dort, aber sie haben Musikgeschmack und gute Künstler, die – es fällt mir immer schwer nachzuvollziehen, aber es ist tatsächlich so – Mainstream-Europa-tauglich sind. Ich finde den Song ziemlich gut, ich finde die Künstler ziemlich gut – wieder Top 10, würde ich sagen.

20. Slowenien
Maja Keuc – “No One”

Ah, da versucht es jemand mit einer sehr eigenwilligen Aussprache der englischen Sprache. Das kommt mir irgendwie bekannt vor…  Genauso wie die Melodie des Songs – haben wir den heute schon mal gehört? Ich ahne, dass ich mich hier wiederhole, aber – das ist immer wieder ein furchbarer Einheitsbrei, oder?

21. Island

Sjonni’s Friends – “Coming Home”

Tragische Entstehungsgeschichte – wenn das in allen abstimmenden Ländern von den Kommentatoren and die Zuschauer herangetragen wird, ist das bestimmt ein Bonus. Ansonsten schon ein cooler Auftritt der Ragtime-Band aus Island. Kann man machen – ein Song zum mitsingen, ein Refrain, den man sich merken kann.

22. Spanien
Lucía Pérez – “Que Me Quiten Lo Bailao”

Hey, die ist süß. Fröhlich, schmissig, frisch. Okay, der Text ist vielleicht ein wenig schwer mitzusingen, aber wir beschränken uns dann auch wieder auf das Winken und auf das ‘ohohohohoooo’, dann geht das schon. Klingt nach Sommer, finde ich.

23. Ukraine
Mika Newton – “Angel”

Peter Urban warnt uns schon vor, und ich sehe das ähnlich – am eindrucksvollsten ist die Sandmalerin. Und am meisten beschäftigt mich die Frage, ob die Federn der Sängerin echt sind, angeklebt oder Bestandteil des Kleides. Sieht ein bißchen aus wie ein gerupftes Huhn, und das passt zum Gesamteindruck.

24. Serbien
Nina – “Caroban”

Ich hatte Schwierigkeiten, die stark geschminkte Sängerin vor dem psychedelischen Farbenwirrwarr im Hintergrund auszumachen. Und gehört habe ich sie auch nicht wirklich; das ist zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus gegangen, ohne auf dem Weg eine Synapse zu berühren.

25. Georgien
Eldrine – “One More Day”

Schönes Kleid. (Ich muss ja auch mal was nettes sagen.) Die Aufmachung sieht nach hartem Rock aus, eine der Gitarren klingt ein klein bißchen so, aber letztlich haben sie sich doch nicht richtig getraut. Und das ist dann auch der Gesamteindruck, der bleibt: netter Versuch, leider gescheitert.

Sodele, das war’s. Jetzt freue ich mich darauf zu entdecken, was die ARD für die Pause vorbereitet hat und wie man die geniale Idee des Eurodance vom letzten Jahr vielleicht toppen will. Meine Tipps für den Ausgang des ESC? Ich sehe die Schweiz ziemlich weit vorne, Aserbeidschan hat mir gefallen, und Spanien. Lena hat mich total positiv überrascht und vom Hocker gehauen, und vielleicht kann sie doch einen der vorderen Plätze erreichen- gewinnen wird sie nicht.

Jan Delay als deutsche Antwort auf den Eurodance… naja. Ich mag ihn, klar, aber ob der Rest von Europa und den angeschlossenen Eurovisionsgebieten (sogar Australien ist heute dabei!) so viel damit anfangen kann? Egal, die Bühne, die Videowand, die Lichttechnik kommen nochmal gut zur Geltung, und dem Künstler scheint es ebenso Spaß zu machen wie dem Publikum.

Das scheint aber heute eine bunte Mischung zu werden. Die Punkte werden lustig verteilt – das finde ich sehr schön. Aber ausser mit Aserbeidschan liege ich ja bisher ziemlich daneben… Puh, das dauert aber doch wieder ziemlich lange…

Aserbeidschan. Die fassen es bestimmt auch nicht. Viele werden wahrscheinlich erst einmal nachsehen müssen, wo das überhaupt liegt. Ich gönne es ihnen von Herzen und bin schon sehr gespannt auf das nächste Jahr. Wermutstropfen für mich ist, dass die Schweiz tatsächlich auf dem letzten Platz gelandet ist; das haben sie nicht verdient.

Ich versuche es auch in diesem Jahr wieder. Ich gucke mit euch und 125.000.000 Europäern die Übertragung des Eurovision Song Contest aus Oslo und gebe direkt dazu meine unqualifizierten Kommentare ab. Ich freue mich, wenn ihr dabei seid…

Ich habe noch keinen der Songs von heute abend gehört, ausser natürlich den deutschen Beitrag von Lena Meyer-Landrut, dem man sich ja in den letzten Wochen nicht entziehen konnte. Ich habe allerdings auch alle ‘Unser Star für Oslo’-Shows gesehen, und schon dort war ich sehr begeistert von ihr. Wobei ich zugebe – ich war seit der ersten Entscheidungsshow Lena-Fan. Unkonventionell, erfrischend unkompliziert, eben einfach anders. Mit Songs, die kaum jemand kannte, hat sie sich offensichtlich nicht nur in meinem Herzen einen Platz erobert. Ich gestehe aber auch, dass ich persönlich nicht ‘Satellite’ gewählt hätte. Ich fand ‘Bee’ viel besser, fröhlicher, eingängiger, frecher… aber okay. :-) Ich glaube, Lena hat heute gute Chancen, und ich drücke die Daumen. Schau’n mer mal…

Eine Einschränkung allerdings muss ich machen. Ich habe nämlich auch ein bisschen Angst davor, dass Lena tatsächlich gewinnt. Ich glaube Stefan Raab wird dann so weit abheben, dass er für die Amis das Space Shuttle ersetzen kann.

Ach, Peter Urban… es ist schon ein Stück Kindheitserinnerung, und diese Stimme gehört einfach zum Grand Prix – ja, für mich ist das noch immer und immer wieder der Grand Prix Eurovision de la Chanson (man denke sich bitte eine genäselte französische Stimme dazu). Die Stimme windet sich irgendwie ganz sanft in den Gehörgang, und die Kompetenz des Mannes ist legendär.

Die Moderatorinnen sind ja genau das, was man sich so unter echten Norwegerinnen vorstellt. Und wenn der Kasper im Anzug noch einmal diese extrem lustige Geste mit dem in-die-Knie gehen und die Arme vorstrecken macht, schreie ich.

Share the moment – los geht’s. Hier ist das Line-Up des heutigen Abends, und ich bin schon sehr gespannt, was uns im Einzelnen erwartet:

01. Azerbaidschan
Safura – Drip Drop

Optisch ja durchaus eine Augenweide, aber eingängig ist der Song ja nun nicht gerade. Das ist ja nun auch nicht gerade eine tolle Choreografie, eher unmotiviert-hektische Gesten. Dazu versucht die Sängerin, mangelndes Stimmvolumen durch bloße Lautstärke wettzumachen. Wieso ist das denn jetzt der große Geheimfavorit?

02. Spanien
Daniel Diges – Algo Pequeñito (Something Tiny)

Spanien versucht es mit einem Tango. Moment mal… der gehörte nicht zur Show, oder? Den haben sie ja schnell geschnappt und abgeführt. Äh, zurück zum spanischen Beitrag… tja, was soll ich sagen. Gekasper im Hintergrund, während Art Garfunkel für Arme sich redlich Mühe gibt, Elan und Feuer zu versprühen. Nee, ehrlich, das beste war der Typ aus dem Publikum.

03. Norwegen
Didrik Solli-Tangen – My Heart Is Yours

Eine Hymne aus Norwegen. Klingt wie Irland zu seinen besten Zeiten. Klingt wie Filmmusik; die TFDW© sieht gerade zwei Liebende am Bug einer Colorline-Fähre… Der Typ steht da, als wollte er noch ein paar weitere Fjorde in die Felsen singen. Aber sagt mal, bin ich der einzige, der den Eindruck hat, der Mann hat – trotz Opernausbildung – zwei- oder dreimal ganz kräftig neben den Tönen gelegen hat? Trotzdem, das Teil hat bestimmt Potential.

04. Moldau
Sunstroke Project & Olia Tira – Run Away

Ein Geiger, das hatte ja im letzten Jahr gut funktioniert. Ah, und Lady Gaga ist ja auch gerade schwer angesagt. Und Adam Lambert macht ja zur Zeit auch einen auf Adam Ant Revival. Wenn es jetzt noch einen vernünftigen Song dazu gäbe… aber irgendwie haben wir das alles schon mal gehört, gesehen, und es hat uns schon damals gelangweilt.

05. Zypern
Jon Lilygreen & The Islanders – Life Looks Better In Spring

Die Lady haut in die Tasten als gäbe es kein Morgen, aber man hört nur die Gitarre. Aha. Der Typ ist süß, findet die TFDW©. Achtung: das hat sie letztes Jahr von Alexander Rybak gesagt, und der hat dann gewonnen! Und tatsächlich: ich finde den Song gar nicht mal schlecht. Hat was. Ausserdem spricht mir die Titelzeile aus der Seele.

06. Bosnien & Herzegovina
Vukašin Brajic – Thunder And Lightning

Wieso habe ich den Eindruck, ich habe die Hälfte der Songs schon mal woanders gehört, nur besser? Dass der Mann einen MP3-Player im Ohr hat, erinnert mich irgendwie an einige Chaoskandidaten aus den DSDS-Castings. Naja, aber er singt ganz ordentlich, spielt ganz okay Gitarre – nur springt der Funke nicht über. Nach dem Songtitel hatte ich einfach mehr erwartet. Irgendwas mit Schmackes. So verklingt das Ganze mit dem letzten Ton in der Vergessenheit.

07. Belgien
Tom Dice – Me And My Guitar

Oh, guck mal, den habe ich heute bei Aldi getroffen! Jedenfalls sieht er so aus wie… naja… auch so nach 10. Klasse Realschule in der Provinz. Das Publikum mag’s. Und jetzt feuert er sie auch noch an… Ein Singer/Songwriter der alten Schule, alleine mit seiner Gitarre (die er auch noch besingt). Der belgische James Blunt, irgendwie. Naja, der hat ja ‘ne Menge CDs verkauft; vielleicht schafft der fritten-Fiets das ja auch.

08. Serbien
Milan Stankovic – Ovo Je Balkan

Meine Güte ist das SCHLECHT! Da ist ja tiefgefrorenes Cevapcici musikalischer! Und tanzen kann er auch nicht wirklich. Der Song ist ebenso gut wie seine Frisur. Wieso meint Peter Urban, man wird das Ding in irgendwelchen Clubs hören?

09. Weissrussland
3+2 – Butterflies

Butterflies??? Schmetterlinge??? Die singen dann aber vom Tod der Schmetterlinge im Herbst, oder? Oder von Nachtfaltern. Motten. Irgend sowas. Ich mochte Schmetterlinge eigentlich immer ganz gerne… Und die Gestik haben sie sich von den Ten Tenors abgeguckt, oder? Oh mein… jetzt haben sie Flügel. Wat’n Kitsch. Wat’n Scheiß.

10. Irland
Niamh Kavanagh – It’s For You

Die Show ist erst vorbei, wenn die dicke Frau gesungen hat. Nein, das war fies. ICH bin dick, sie ist nur nach zwei Kindern nicht mehr gertenschlank. Aber typisch irisch, und sie kann singen. Jaaaaaaaaa – da ist die Flöte! Jetzt bitte noch Linedancer im Background, und ich bin wieder in Dublin. Ganz großes Tennis, finde ich. Gehört in jedem Fall auf die nächste Kuschelrock, wenn nicht hier auf einen der vorderen Plätze!

11. Griechenland
Giorgos Alkaios & Friends – OPA

Dass mir bloß keiner für Griechenland anruft – wenn die gewinnen würden, müßten wir bestimmt im nächsten Jahr die Veranstaltung in Athen bezahlen! Aber wenn ich das so höre – das klingt nach einer Mischung aus Gulasch, Gyros und ein bißchen Couscous und hat meiner Meinung nach kaum Chancen auf internationale Akzeptanz. Aber das hat man noch vor nur 300 Jahren auch von all den genannten Gerichten behauptet.

12. Vereinigtes Königreich
Josh – That Sounds Good To Me

To me aber überhaupt nicht. That sounds 08/15 to me, oder gar noch schlimmer. Was sollen die Hampelmänner da? Und seine Ladies haben auch Flügel, wie schön. Leider hat der Milchbuby noch nicht mal Schmalz in der Stimme; Schmalz ist ja schon abgekocht, der ist noch nicht mal trocken hinter den Ohren. Und verhaut die Töne auch wieder kräftig. Keine Punkte für England; schon wieder.

13. Georgien
Sofia Nizharadze – Shine

Sie ist ganz hin- und hergerissen. Und ich werde das nächste Mal auch einfach kein Hemd unter denm Jackett tragen, zumindest in dieser Hionsicht sind die Herren auf der Bühne jetzt Trendsetter. Das haben die jetzt zu verantworten, sollen sie doch sehen, was sie davon haben. Das ist dann meine Rache für das uninspirierte Geheule von der Lady in Red.

14. Türkei
maNga – We Could Be The Same

Manga… auch wenn der Name klingt wie Tokio Hotel für Arme geht der Song ganz gut los. Und trotzdem klingt da immer noch ein bißchen türkischer Folk durch – ich persönlich finde das gar nicht so schlecht. Leider steigert sich das nicht, sondern verflacht schnell. Schade. Oh, guck mal, Robocop bei der Maniküre – auch ne nette Idee. Nett, aber nicht mehr.

15. Albanien
Juliana Pasha – It’s All About You

Um mal aus der Hochliteratur (Asterix bei den Ägyptern) zu zitieren: “Diese Nase!” Das ist das hervorragendste Merkmal dises Auftrittes. Sparsame Bühnenshow ausser dem Geigenclown da, ansonsten europäischer Disco-Pop von der anspruchslosen Sorte. Nicht wirklich schlecht, nicht wirklich gut.

16. Island
Hera Björk – Je Ne Sais Quoi

Oh. JETZT singt die dicke Frau. Sie sieht aus wie eine Walküre, sie singt aber nicht so. In Walhalla würde sie achtkantig rausfliegen, und warum sie durch das Halbfinale gekommen ist, ist mir ein Rätsel. Das ist zwar super für den Discofox-Abend in der Seniorenresidenz, aber doch nix für den ESC. Meine Meinung.

17. Ukraine
Alyosha – Sweet People

Oh, die spielt bestimmt in der nächsten Stephanie-Meyer-Verfilmung mit, oder? Die Stimme ist wie das Lied ist wie die Frau: blass und dünn. Sie muss sich schon gegen den Wind guten Geschmacks stemmen, der sie von der Bühne fegen will, aber sie hält durch. Und was anderes bleibt mir wohl auch nicht übrig…

18. Frankreich
Jessy Matador – Allez Olla Olé

Ein Stadionsong, wie passend zur Fußball-WM. Dass sonst keiner darauf gekommen ist… Aber irgendwie ist der Song ganz eingängig, und die Bühnenshow ist echt schmissig. Ich weiß zwar nicht, wie das im Rest Europas so ankommt, aber ich denke, das hat Charme, Sexappeal und durchaus Chancen.

19. Rumänien
Paula Seling & Ovi – Playing With Fire

Naja. Die Dame hat eine interessante Stimme – mehr als ich erwartet hätte, aber der Typ gleicht das locker wieder aus. Und gleich zersingt sie den gläsernen “Flügel”…  Neee, ich weiß nicht. Der Knaller war das nicht, aber wir haben auch chlechteres gesehen und gehört heute abend.

20. Russland
Peter Nalitch & Friends – Lost And Forgotten

Der Typ läßt seine Songs kostenlos aus dem Internet herunterladen. Kein Wunder – wer würde denn auch für sowas bezahlen? Und seinen Text muss er ablesen? Boah, der Song ist so kalt wie der sibirische Winter. Lost and forgotten – der Titel ist Programm.

21. Armenien
Eva Rivas – Apricot Stone

Wenn man für das Décollté anrufen darf, bekommt sie meine Stimme. Auch wieder ein Versuch, ethnische Elemente mit modernem Pop zu mischen. Auch wieder daneben gegangen. Schade eigentlich. Dazu noch der gespielte Witz da im Hintergrund…

22. DEUTSCHLAND
Lena – Satellite

So. Jetzt aber. Das Publikum scheint sie schon mal zu mögen. Das finde ich prima. Der Song hat Schwung, vielleicht noch ein bißchen mehr als im Radio Edit? Klingt frisch, peppig, und Lena gibt wieder alles. Sie ist ganz Lena, und das meine ich als Kompliment. Die extrem sparsame Inszenierung passt perfekt, ich fand’s klasse.

23. Portugal
Filipa Azevedo – Há Dias Assim

Bin ich eigentlich alleine mit der Meinung, dass Portugiesisch sexy klingt? Und in der Verpackung alle Mal. Hübsches Mädel. Der Song ist schon wieder Filmmusik, oder? Der Typ steigt in seinen Wagen und fährt in den Sonnenuntergang, und sein Mädel schmachtet ihm hinterher…

24. Israel
Harel Skaat – Milim

Ein Lied über Verlust und enttäuschte Liebe. Genau das, was man sich an einem netten Sonnabend Abend wünscht. Der Schönling steht verloren im blauen Lichtnebel der Bühne und besingt die Falafel, die ihm runterfiel. Oder so. Weniger Geheule mit weniger Tremolo würde mangelndes Stimmpotential nicht so deutlich zutage treten lassen.

25. Dänemark
Chanée & N’evergreen – In A Moment Like This

Was ist das denn? Ich habe das Gefühl, jeden teil des Liedes kenne ich aus anderen Liedern, aber nicht in dieser Zusammenstellung. Auch die kriegen den Wind von vorne – zu Recht. “Opfer der gnadenlosen Windmaschine”, sagt Peter Urban. <LOL!!!>

Tja, der Spanier wird auch bei der Wiederholung nicht besser. Zumindest hat er Stimme. Und wird jetzt natürlich umso besser in Erinnerung bleiben.

So, und jetzt fahre ich mal eben Richtung Grenze, bis sich mein Handy ins dänsiche Netz einbucht, und dann rufe ich 12x für Lena an. <g>

So, kommen wir zur Auflösung des heutigen Eurovision Song Contest Rätsels. Wie es ausgeht? Tja, ich weiß es nicht. Ich wage es nichtmal zu tippen. Ich sehe Norwegen vorne, Irland, Rumänien war nett, Weissrussland war theatralisch genug um zu gefallen, Frankreich war fetzig und ganz vorne hoffe ich auf Lena.

Moment… was wird das jetzt? Der Eurodance? Na suuuuuuuuuper.
Schon blöd, wenn man als Vortänzerin die Choreographie vergisst, wenn gerade die Kamera voll drauf hält… Aber irgendwie ist das schon lustig, da zuzusehen. Meine Güte, die gehen ja bis in die Wohnzimmer… Warum sind denn die ganzen armen kleinen Kinder noch wach? Kann ich den Typen mitten in der Nordsee nochmal sehen, bitte? <g> Doch, coole Nummer das. Hat mich amüsiert.

Naja, bisher hat es zumindest aus jedem Land Punkte gegeben – das ist besser als die letzten Jahre. Mal gucken, wie es weiter geht. Peter Urban sagt, ‘wir’ wären “momentan Zweiter”. Jetzt sind wir sogar Erster. Unglaublich. Diesmal verteilen sich die Punkte erstaunlicher Weise viel gleichmäßiger, sodass es nicht einmal einer Serie von 12 Punkten bedarf, um Lena auf den Platz 1 zu schießen. Boah. Das wird ja immer besser. Ich fasse es nicht. Erst Nicole, jetzt Lena.

So. Fertig. Der Drops ist gelutscht, das Ding ist gelaufen, das war’s dann. Lena hat gewonnen. Der deutsche Beitrag hat den Eurovision Song Contest gewonnen. WIR haben gewonnen. Wow. Herzlichen Glückwunsch, Lena! Du hast es verdient. :-)

Socken in Songs?

Ich habe heute nacht geträumt. Ich weiß nicht genau, was ich träumte, aber heute morgen bin ich mit einer bohrenden Frage im Kopf erwacht: Es gibt Songtexte über fast alles. Von solch hehren Ideen wie der großen Liebe bis hin zu profanen Alltagsdingen wie Kaffee.

Wozu mir allerdings spontan weder ein Songtitel noch überhaupt auch nur eine Textzeile einfällt sind: Socken. Kann das sein? Hat noch keine Künstlerin, kein Songwriter sich je mit Socken beschäftigt?

socken

Helft mir, bitte. Ich suche den besten Song, in dem Socken vorkommen. Egal ob im Titel oder nur nebenbei erwähnt, egal in welcher Sprache. Bitte antwortet hier in den Kommentaren oder per Twitter @_buck und schickt mir Eure Links zu entsprechendem Liedgut! Die gesammelten Ergebnisse gibt’s dann hier im Blog…

Suchbild

Okay, es ist schon ein paar Tage her, dass wir auf dem Frühlings-Jahrmarkt waren. Ich habe das Bild gerade erst auf dem Handy wiedergefunden, und ich möchte Euch natürlich teilhaben lassen. Lasst uns mal die… äh… Seltsamkeiten dieses Bildes finden:

erschreckungstechnologie

Nein, ich meine nicht die Sonderlackierung des Fahrzeuges in Schnodder-Gelb nichtglänzend – so eine Farbe *kann* kein Fahrzeughersteller serienmässig anbieten, oder? Nein, lassen wir erst einmal den Gesamteindruck wirken.

“Erschreckungstechnologie”, steht da. Eine interessante Wortschöpfung; und um eine solche handelt es sich unbestreitbar, denn Google findet exakt einen Treffer, der sich auf genau diesen Schausteller-Betrieb bezieht. Früher hieß das bei uns einfach ‘Geisterbahn’, zwischenzeitlich vielleicht noch pseudo-modern anglisiert ‘Ghost Train’ oder ‘Haunted House’, oder aber – Allgemeinbildung und Weltoffenheit beweisend – ‘Van Helsing’ oder ‘Psycho’.

Natürlich kommt ein Betrieb, der mit so viel Kreativität gesegnet ist, auch nicht einfach aus irgendeinem kleinen Kaff in Dithmarschen oder Nordfriesland. Solch kreative Menschen gibt es natürlich nur in einer echten Metropole, in Berlin. Um das ganze ein bißchen abzumildern, gibt man dann zähneknirschend zu: Holstein – Berlin. Ob es sich dabei um einen unentdecketen Ort namens Berlin in Holstein handelt oder den verschollen geglaubten Berliner Stadtteil Holstein, bleibt uns verborgen. Alternativ könnte es sich natütlich auch um eine dieser Aufzählungen handeln, wie die ganz großen Modelabel sie verwenden: “Paris – Mailand – Rio – New York” heißt es da, und beim Rico heßt es eben “Holstein – Berlin”. Nicht ganz so beeindruckend, aber irgendwo muss man ja anfangen.

Und last but not least beweisen Rico Rasch und seine Söhne, dass sie ihr Geschäft auch beherrschen. Denn jeder Schriftsetzer, Mediengestalter, Typograph, interessierter Laie oder auch nur Ästhet wird sich schaudernd, wenn nicht gar schreiend, aber in jedem Fall erschreckt abwenden, wenn er das als ‘und’-Zeichen mißbrauchte Eszet (ß) sieht. Und das ganz ohne jede Technologie.

Ältere Artikel »