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Hoppla, da ist schon wieder ein ganzes Jahr vergangen und ich habe wieder nicht ein Wort hier geschrieben, Aber weil ich Traditionen mag, weil ich den ESC mag, und weil ich Lust dazu habe, werde ich den heutigen Eurovisions-Fernsehabend wieder damit verbringen, meine unqualifizierten Bemerkungen und meine unmassgebliche Meinung in die uninteressierte Welt herauszuposten… vielleicht liest ja doch mal jemand rein.

Wie üblich habe ich mir extra noch keinen der Songs des heutigen Abends angehört. Ich lasse mich da gerne überraschen. Natürlich kenne ich den deutschen Beitrag, klar, aber man hätte in den letzten Wochen schon deutlich jenseits des Mars leben müssen, um den Song nicht dauernd im Radio an- oder ausgespielt zu hören. Auch wenn ich ‘Taken By A Stranger’ anfangs überhaupt nicht mochte, muss ich mittlerweile gestehen, dass das Lied ein gewisses Ohrwurmpotential hat. Ich ertappe sowohl mich als auch die TFDW© immer mal wieder dabei, dass wir die Melodie vor uns hin summen.

Aber: ich finde es grundsätzlich total daneben, dass Lena in diesem Jahr noch einmal antritt. Als Stefan Raab diese blöde Idee schon direkt nach dem erfolg vom letzten Jahr ins Spiel brachte, hatte ich gehofft, dass ihn die anderen Verantwortlichen bei der ARD schon wieder von der Schnapsidee abbringen würden. Aber nein, er zieht das durch. Und das ist, in meinem Augen, ein echter Raabismus: Selbstüberschätzung, Unbelehrbarkeit und der feste Glaube daran, er selbst wäre der letzte Mensch im europäischen Fernsehen, der etwas von Unterhaltung versteht.

Ich behaupte, Lena hat in diesem Jahr keine Chance. Selbst wenn ihre Performance beeindruckend und der Song überragend wäre, gehe ich einfach nicht davon aus, dass die Zuschauer sie ein zweites Mal wählen würden. Aus Prinzip schon nicht. ICH würde es nicht tun. Ich würde einen solchen Versuch eines Künstlers aus jedem anderen Teilnehmerland ebenso als überheblich und arrogant abstrafen und garantiert nicht belohnen.

Ich frage mich wirklich, warum das sein mußte. Das Auswahlverfahren im letzten Jahr fand ich prima, unterhaltsam und letztlich ja auch noch überaus erfolgreich – warum konnte man es diesmal nicht erneut so machen? Vielleicht – ich behaupte sogar: wahrscheinlich! – hätte man einen neuen echten Siegertypen gefunden, männlich oder weiblich, und man hätte wieder einen tollen Song für sie oder ihn gefunden, und man hätte einen frischen Künstler ins Rennen geschickt, der – wer weiß? – vielleicht sogar den Titel hätte verteidigen können.

Naja… hätte und können und wenn und wäre – es nützt ja alles nichts. Wir müssen jetzt das nehmen, was wir haben, und hoffen, dass Lena das beste daraus macht. Letztendlich wird es mir den Spaß an der Veranstaltung an sich nicht verderben, und ich bin auf den Ausgang des Eurovision Song Contest ebenso gespannt wie die Jahre vorher.

So denn – lasset die Spiele beginnen! Hier ist das Line-Up des Abends; ab 21 Uhr geht’s dann los! Bis später!

Wow, das geht ja schon mal gut los. Anke Engelke, Judith Rakers und Stefan Raab vertreten Lena und rocken die Bühne. Ein sympathischer, fröhlicher und optisch beindruckender Start der Show. Das gefällt.

01. Finnland
Paradise Oskar – “Da Da Dam”

Das der schon alleine so lange aufbleiben? Ein bißchen aufgeregt scheint er zu sein, ein wenig zittert die Stimme. Aber dafür lächelt er nett, und das Videobild ist tatsächlich so beeindruckend wie man schon vom Halbfinale hörte. Schön ist ja, dass der Refrain absolut international ist – Da Da Dam Dadadadadadam kriegt jeder hin.

02. Bosnien-Herzegowina
Dino Merlin – “Love In Rewind”

Was ist das denn? Der bosnische Reinhard May zusammen mit den Gebrüdern Blattschuss übt für’s Jodeldiplom? Ich weiß ja, das es dem Land nach dem fürchterlichen Bürgerkrieg noch nicht wieder richtig gut geht, aber dass es dort so schlimm steht…

03. Dänemark
A Friend In London – “New Tomorrow”

Na, da will ich mal hoffen, dass der Freund aus London für die Jungs anruft – ich würde es wohl nicht tun. Optisch ein bißchen Eighties, kann ich mit dem Song so gar nichts anfangen, und die aufrüttelnde und mitreißende Botschaft des Songs geht in Kinderreimschemen unter.

04. Litauen
Evelina Sašenko – “C’est Ma Vie”

Lithauen singt französisch? Nein, die Strophe ist englisch, aber der Refrain ist französisch. Wollte man da einer möglichst breiten Masse gefallen? Dann sollte der Song nicht wie aus einem schlechten Andrew Lloyd-Webber Musical klingen. Naja, wenigstens würden die Gesten dazu passen.

05. Ungarn
Kati Wolf – “What About My Dreams”

Vielleicht hätten sie ein bißchen Stoff von den Armen unten an das Kleid anfügen sollen, dann könnte sich die Arme wenigstens bewegen, ohne die Jugendfreigabe der Sendung auf’s Spiel zu setzen. Die Tänzer haben sie aus Tron geklaut, oder? Stimmlich nicht überzeugend, und der Sound ist aus den Siebzigern.

06. Irland
Jedward – “Lipstick”

Meine Güte, was ist das denn? Die Söhne der Pet Shop Boys haben einen Stromschlag bekommen? Ich finde den Sound ziemlich flach, die Bühnenshow dafür umso überzogen. Und das soll einer der Favoriten sein? Och nöööööö.

07. Schweden
Eric Saade – “Popular”

Oh, der ist ja süß. Geiles Intro, und dann kommt irgendwie nix mehr. Ich finde das nicht eingängig, und die Stimme klingt mir ziemlich gepresst. Dafür kann er “seine Choreo total gut performen”, wie es bei diesen Castingshows jetzt wieder heißen würde. Dort hätte er bestimmt auch durchaus seine Chancen – die Ansprüche sind dort ja total gesunken.

08. Estland
Getter Jaani – “Rockefeller Street”

Alice im Wunderland führt gleich mal ‘nen Zaubertrick vor. Soll das von der Gesangsleistung ablenken? Klingt ein bißchen wie eine Spieldose, aber wenigstens sieht es so aus, als hätte sie echt Spaß dort auf der Bühne. Insgesamt aber eher Spätneunziger-Pop, plätschert dahin, ohne hängen zu bleiben.

09. Griechenland
Loukas Yiorkas feat. Stereo Mike – “Watch My Dance”

Ah, man warnt uns vor einer interessanten Mischung aus neu und alt. Der Rap-Teil klingt ein bißchen unmotiviert, und nun kommt der griechische David Beckham und schmettert einen… Die Breakdancer sind ziemlich genial, aber der Videohintergrund mit der Optik von Griechische-Spezialitäten-Restaurant-Speisekarten ist eher geschmacksverirrt.

10. Russland
Alexey Vorobyov – “Get You”

Oh my goodness… Er ist schön, er weiß das auch. Ein lukrativer Werbevertrag mit einer Zahnpastamarke scheint sicher. Er versucht das Publikum anzufeuern, er gibt tänzerisch alles. Aber das bleibt alles so nichtssagend, das klingt wie billiger Instant-Kaffee – kein Aroma, keine Wirkung, schnell vergessen.

11. Frankreich
Amaury Vassili – “Sognu”

Ja, doch, netter Versuch, Frankreich. Der einsame Held steht vor der Kulisse der Götterdämmerung und schmettert eine Opernarie auf Korsisch. Ich frage mich nur, ob sowas Hitpotential hat. Sollte eine ESC-Sieger nicht Hitpotential haben?

12. Italien
Raphael Gualazzi – “Madness Of Love”

Geht es nur mir so, oder zeigen sich durch die Live-Auftritte und eine sehr gute, klare Tontechnik in Düsseldorf dort heute die Unzulänglichkeiten der Künstler besonders schonungslos? Ich finde, der haut ganz schön daneben zum Teil, und jetzt sagt mir nicht, dass das alles Jazz ist und so gewollt.

  • Zwischendurch: ich finde die Bühnentechnik und die Lichtausstattung in Düsseldorf total beeindruckend und wunderschön.Und das klopfende Herz als wiederkehrendes Element im Zusammenhang mit dem Slogan “Feel Your Heart Beat”.


13. Schweiz

Anna Rossinelli – “In Love For A While”

Bilder aus den Sechzigern, ein bißchen psychedelisch vielleicht, aber endlich mal ein Song, den ich sehr eingänglich finde. Vorgetragen von einer attraktiven jungen Dame mit einer tollen Stimme. Mein erster Favorit, sage ich jetzt mal.

14. Vereinigtes Königreich
Blue – “I Can”

Blue? Waren das nicht die, die den Weihnachtshit-Wettbewerb gegen Billy Mack verloren haben? Als sie noch jung waren, gut aussahen und vor allem singen und tanzen konnten? Jetzt sind sie ihre eigenen Background-Tänzer – dabei haben ihnen viel eher ein paar vernünftige Backroundsänger gefehlt, die vielleicht stimmlich noch was rausgerissen hätten. Da rettet auch kein bekannter Name. Ehrlich, England – vielleicht solltet Ihr die nächsten Jahre einfach gleich zu Hause bleiben, das wäre weniger peinlich.

15. Moldau
Zdob si Zdub – “So Lucky”

Die Moldau-Zwerge mit Krawall-PopRapRockChaos. Die armen Kinder, die jetzt ohne Schultüten den ersten Schultag überstehen müssen. Das ist schräg und bleibt deshalb sogar im Gedächtnis. Nicht dass ich das jetzt wirklich gut fand, aber zumindest hat es sich aus der Masse wohltuend abgehoben. Andererseits bin ich auch froh, dass es wieder vorbei ist.

16. Deutschland
Lena – “Taken By A Stranger”

Wow. Ein absolut perfekter Auftritt von Lena, und wider Erwarten und obwohl ich es eigentlich nicht will fand ich das beeindruckend gut. Ich bin jetzt wirklich gespannt, was der Rest von Europa davon hält…

17. Rumänien
Hotel FM – “Change”

Noch ein Sunnyboy, aber irgendwie ein netter. Ich finde das Lächeln sehr entwaffnend. Allerdings stammt die Musik wohl wieder aus dem großen Kübel, in dem die Musikindustrie seit etwa 60 Jahren die Zutaten zu Standard-Retorten-Songs vor sich hin brodeln läßt und wo sich jeder bei Bedarf ein vermeintliches erfolgsrezept für einen Hit herausziehen kann. Manche greifen aber eben – wie knapp auch immer – daneben.

18. Österreich
Nadine Beiler – “The Secret Is Love”

Ah, die uneheliche österreichische Tochter von Mireille Mathieu singt eine weitere Musikal-Ballade. Und das klingt gar nicht mal schlecht. Vor allem die Stimme ist voluminös, kräftig und qualitativ hochwertig. Net schlecht, Austria!

19. Aserbaidschan
Ell / Nikki – “Running Scared”

Aserbaidschan. Sie haben nicht viel dort, aber sie haben Musikgeschmack und gute Künstler, die – es fällt mir immer schwer nachzuvollziehen, aber es ist tatsächlich so – Mainstream-Europa-tauglich sind. Ich finde den Song ziemlich gut, ich finde die Künstler ziemlich gut – wieder Top 10, würde ich sagen.

20. Slowenien
Maja Keuc – “No One”

Ah, da versucht es jemand mit einer sehr eigenwilligen Aussprache der englischen Sprache. Das kommt mir irgendwie bekannt vor…  Genauso wie die Melodie des Songs – haben wir den heute schon mal gehört? Ich ahne, dass ich mich hier wiederhole, aber – das ist immer wieder ein furchbarer Einheitsbrei, oder?

21. Island

Sjonni’s Friends – “Coming Home”

Tragische Entstehungsgeschichte – wenn das in allen abstimmenden Ländern von den Kommentatoren and die Zuschauer herangetragen wird, ist das bestimmt ein Bonus. Ansonsten schon ein cooler Auftritt der Ragtime-Band aus Island. Kann man machen – ein Song zum mitsingen, ein Refrain, den man sich merken kann.

22. Spanien
Lucía Pérez – “Que Me Quiten Lo Bailao”

Hey, die ist süß. Fröhlich, schmissig, frisch. Okay, der Text ist vielleicht ein wenig schwer mitzusingen, aber wir beschränken uns dann auch wieder auf das Winken und auf das ‘ohohohohoooo’, dann geht das schon. Klingt nach Sommer, finde ich.

23. Ukraine
Mika Newton – “Angel”

Peter Urban warnt uns schon vor, und ich sehe das ähnlich – am eindrucksvollsten ist die Sandmalerin. Und am meisten beschäftigt mich die Frage, ob die Federn der Sängerin echt sind, angeklebt oder Bestandteil des Kleides. Sieht ein bißchen aus wie ein gerupftes Huhn, und das passt zum Gesamteindruck.

24. Serbien
Nina – “Caroban”

Ich hatte Schwierigkeiten, die stark geschminkte Sängerin vor dem psychedelischen Farbenwirrwarr im Hintergrund auszumachen. Und gehört habe ich sie auch nicht wirklich; das ist zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus gegangen, ohne auf dem Weg eine Synapse zu berühren.

25. Georgien
Eldrine – “One More Day”

Schönes Kleid. (Ich muss ja auch mal was nettes sagen.) Die Aufmachung sieht nach hartem Rock aus, eine der Gitarren klingt ein klein bißchen so, aber letztlich haben sie sich doch nicht richtig getraut. Und das ist dann auch der Gesamteindruck, der bleibt: netter Versuch, leider gescheitert.

Sodele, das war’s. Jetzt freue ich mich darauf zu entdecken, was die ARD für die Pause vorbereitet hat und wie man die geniale Idee des Eurodance vom letzten Jahr vielleicht toppen will. Meine Tipps für den Ausgang des ESC? Ich sehe die Schweiz ziemlich weit vorne, Aserbeidschan hat mir gefallen, und Spanien. Lena hat mich total positiv überrascht und vom Hocker gehauen, und vielleicht kann sie doch einen der vorderen Plätze erreichen- gewinnen wird sie nicht.

Jan Delay als deutsche Antwort auf den Eurodance… naja. Ich mag ihn, klar, aber ob der Rest von Europa und den angeschlossenen Eurovisionsgebieten (sogar Australien ist heute dabei!) so viel damit anfangen kann? Egal, die Bühne, die Videowand, die Lichttechnik kommen nochmal gut zur Geltung, und dem Künstler scheint es ebenso Spaß zu machen wie dem Publikum.

Das scheint aber heute eine bunte Mischung zu werden. Die Punkte werden lustig verteilt – das finde ich sehr schön. Aber ausser mit Aserbeidschan liege ich ja bisher ziemlich daneben… Puh, das dauert aber doch wieder ziemlich lange…

Aserbeidschan. Die fassen es bestimmt auch nicht. Viele werden wahrscheinlich erst einmal nachsehen müssen, wo das überhaupt liegt. Ich gönne es ihnen von Herzen und bin schon sehr gespannt auf das nächste Jahr. Wermutstropfen für mich ist, dass die Schweiz tatsächlich auf dem letzten Platz gelandet ist; das haben sie nicht verdient.

Ich versuche es auch in diesem Jahr wieder. Ich gucke mit euch und 125.000.000 Europäern die Übertragung des Eurovision Song Contest aus Oslo und gebe direkt dazu meine unqualifizierten Kommentare ab. Ich freue mich, wenn ihr dabei seid…

Ich habe noch keinen der Songs von heute abend gehört, ausser natürlich den deutschen Beitrag von Lena Meyer-Landrut, dem man sich ja in den letzten Wochen nicht entziehen konnte. Ich habe allerdings auch alle ‘Unser Star für Oslo’-Shows gesehen, und schon dort war ich sehr begeistert von ihr. Wobei ich zugebe – ich war seit der ersten Entscheidungsshow Lena-Fan. Unkonventionell, erfrischend unkompliziert, eben einfach anders. Mit Songs, die kaum jemand kannte, hat sie sich offensichtlich nicht nur in meinem Herzen einen Platz erobert. Ich gestehe aber auch, dass ich persönlich nicht ‘Satellite’ gewählt hätte. Ich fand ‘Bee’ viel besser, fröhlicher, eingängiger, frecher… aber okay. :-) Ich glaube, Lena hat heute gute Chancen, und ich drücke die Daumen. Schau’n mer mal…

Eine Einschränkung allerdings muss ich machen. Ich habe nämlich auch ein bisschen Angst davor, dass Lena tatsächlich gewinnt. Ich glaube Stefan Raab wird dann so weit abheben, dass er für die Amis das Space Shuttle ersetzen kann.

Ach, Peter Urban… es ist schon ein Stück Kindheitserinnerung, und diese Stimme gehört einfach zum Grand Prix – ja, für mich ist das noch immer und immer wieder der Grand Prix Eurovision de la Chanson (man denke sich bitte eine genäselte französische Stimme dazu). Die Stimme windet sich irgendwie ganz sanft in den Gehörgang, und die Kompetenz des Mannes ist legendär.

Die Moderatorinnen sind ja genau das, was man sich so unter echten Norwegerinnen vorstellt. Und wenn der Kasper im Anzug noch einmal diese extrem lustige Geste mit dem in-die-Knie gehen und die Arme vorstrecken macht, schreie ich.

Share the moment – los geht’s. Hier ist das Line-Up des heutigen Abends, und ich bin schon sehr gespannt, was uns im Einzelnen erwartet:

01. Azerbaidschan
Safura – Drip Drop

Optisch ja durchaus eine Augenweide, aber eingängig ist der Song ja nun nicht gerade. Das ist ja nun auch nicht gerade eine tolle Choreografie, eher unmotiviert-hektische Gesten. Dazu versucht die Sängerin, mangelndes Stimmvolumen durch bloße Lautstärke wettzumachen. Wieso ist das denn jetzt der große Geheimfavorit?

02. Spanien
Daniel Diges – Algo Pequeñito (Something Tiny)

Spanien versucht es mit einem Tango. Moment mal… der gehörte nicht zur Show, oder? Den haben sie ja schnell geschnappt und abgeführt. Äh, zurück zum spanischen Beitrag… tja, was soll ich sagen. Gekasper im Hintergrund, während Art Garfunkel für Arme sich redlich Mühe gibt, Elan und Feuer zu versprühen. Nee, ehrlich, das beste war der Typ aus dem Publikum.

03. Norwegen
Didrik Solli-Tangen – My Heart Is Yours

Eine Hymne aus Norwegen. Klingt wie Irland zu seinen besten Zeiten. Klingt wie Filmmusik; die TFDW© sieht gerade zwei Liebende am Bug einer Colorline-Fähre… Der Typ steht da, als wollte er noch ein paar weitere Fjorde in die Felsen singen. Aber sagt mal, bin ich der einzige, der den Eindruck hat, der Mann hat – trotz Opernausbildung – zwei- oder dreimal ganz kräftig neben den Tönen gelegen hat? Trotzdem, das Teil hat bestimmt Potential.

04. Moldau
Sunstroke Project & Olia Tira – Run Away

Ein Geiger, das hatte ja im letzten Jahr gut funktioniert. Ah, und Lady Gaga ist ja auch gerade schwer angesagt. Und Adam Lambert macht ja zur Zeit auch einen auf Adam Ant Revival. Wenn es jetzt noch einen vernünftigen Song dazu gäbe… aber irgendwie haben wir das alles schon mal gehört, gesehen, und es hat uns schon damals gelangweilt.

05. Zypern
Jon Lilygreen & The Islanders – Life Looks Better In Spring

Die Lady haut in die Tasten als gäbe es kein Morgen, aber man hört nur die Gitarre. Aha. Der Typ ist süß, findet die TFDW©. Achtung: das hat sie letztes Jahr von Alexander Rybak gesagt, und der hat dann gewonnen! Und tatsächlich: ich finde den Song gar nicht mal schlecht. Hat was. Ausserdem spricht mir die Titelzeile aus der Seele.

06. Bosnien & Herzegovina
Vukašin Brajic – Thunder And Lightning

Wieso habe ich den Eindruck, ich habe die Hälfte der Songs schon mal woanders gehört, nur besser? Dass der Mann einen MP3-Player im Ohr hat, erinnert mich irgendwie an einige Chaoskandidaten aus den DSDS-Castings. Naja, aber er singt ganz ordentlich, spielt ganz okay Gitarre – nur springt der Funke nicht über. Nach dem Songtitel hatte ich einfach mehr erwartet. Irgendwas mit Schmackes. So verklingt das Ganze mit dem letzten Ton in der Vergessenheit.

07. Belgien
Tom Dice – Me And My Guitar

Oh, guck mal, den habe ich heute bei Aldi getroffen! Jedenfalls sieht er so aus wie… naja… auch so nach 10. Klasse Realschule in der Provinz. Das Publikum mag’s. Und jetzt feuert er sie auch noch an… Ein Singer/Songwriter der alten Schule, alleine mit seiner Gitarre (die er auch noch besingt). Der belgische James Blunt, irgendwie. Naja, der hat ja ‘ne Menge CDs verkauft; vielleicht schafft der fritten-Fiets das ja auch.

08. Serbien
Milan Stankovic – Ovo Je Balkan

Meine Güte ist das SCHLECHT! Da ist ja tiefgefrorenes Cevapcici musikalischer! Und tanzen kann er auch nicht wirklich. Der Song ist ebenso gut wie seine Frisur. Wieso meint Peter Urban, man wird das Ding in irgendwelchen Clubs hören?

09. Weissrussland
3+2 – Butterflies

Butterflies??? Schmetterlinge??? Die singen dann aber vom Tod der Schmetterlinge im Herbst, oder? Oder von Nachtfaltern. Motten. Irgend sowas. Ich mochte Schmetterlinge eigentlich immer ganz gerne… Und die Gestik haben sie sich von den Ten Tenors abgeguckt, oder? Oh mein… jetzt haben sie Flügel. Wat’n Kitsch. Wat’n Scheiß.

10. Irland
Niamh Kavanagh – It’s For You

Die Show ist erst vorbei, wenn die dicke Frau gesungen hat. Nein, das war fies. ICH bin dick, sie ist nur nach zwei Kindern nicht mehr gertenschlank. Aber typisch irisch, und sie kann singen. Jaaaaaaaaa – da ist die Flöte! Jetzt bitte noch Linedancer im Background, und ich bin wieder in Dublin. Ganz großes Tennis, finde ich. Gehört in jedem Fall auf die nächste Kuschelrock, wenn nicht hier auf einen der vorderen Plätze!

11. Griechenland
Giorgos Alkaios & Friends – OPA

Dass mir bloß keiner für Griechenland anruft – wenn die gewinnen würden, müßten wir bestimmt im nächsten Jahr die Veranstaltung in Athen bezahlen! Aber wenn ich das so höre – das klingt nach einer Mischung aus Gulasch, Gyros und ein bißchen Couscous und hat meiner Meinung nach kaum Chancen auf internationale Akzeptanz. Aber das hat man noch vor nur 300 Jahren auch von all den genannten Gerichten behauptet.

12. Vereinigtes Königreich
Josh – That Sounds Good To Me

To me aber überhaupt nicht. That sounds 08/15 to me, oder gar noch schlimmer. Was sollen die Hampelmänner da? Und seine Ladies haben auch Flügel, wie schön. Leider hat der Milchbuby noch nicht mal Schmalz in der Stimme; Schmalz ist ja schon abgekocht, der ist noch nicht mal trocken hinter den Ohren. Und verhaut die Töne auch wieder kräftig. Keine Punkte für England; schon wieder.

13. Georgien
Sofia Nizharadze – Shine

Sie ist ganz hin- und hergerissen. Und ich werde das nächste Mal auch einfach kein Hemd unter denm Jackett tragen, zumindest in dieser Hionsicht sind die Herren auf der Bühne jetzt Trendsetter. Das haben die jetzt zu verantworten, sollen sie doch sehen, was sie davon haben. Das ist dann meine Rache für das uninspirierte Geheule von der Lady in Red.

14. Türkei
maNga – We Could Be The Same

Manga… auch wenn der Name klingt wie Tokio Hotel für Arme geht der Song ganz gut los. Und trotzdem klingt da immer noch ein bißchen türkischer Folk durch – ich persönlich finde das gar nicht so schlecht. Leider steigert sich das nicht, sondern verflacht schnell. Schade. Oh, guck mal, Robocop bei der Maniküre – auch ne nette Idee. Nett, aber nicht mehr.

15. Albanien
Juliana Pasha – It’s All About You

Um mal aus der Hochliteratur (Asterix bei den Ägyptern) zu zitieren: “Diese Nase!” Das ist das hervorragendste Merkmal dises Auftrittes. Sparsame Bühnenshow ausser dem Geigenclown da, ansonsten europäischer Disco-Pop von der anspruchslosen Sorte. Nicht wirklich schlecht, nicht wirklich gut.

16. Island
Hera Björk – Je Ne Sais Quoi

Oh. JETZT singt die dicke Frau. Sie sieht aus wie eine Walküre, sie singt aber nicht so. In Walhalla würde sie achtkantig rausfliegen, und warum sie durch das Halbfinale gekommen ist, ist mir ein Rätsel. Das ist zwar super für den Discofox-Abend in der Seniorenresidenz, aber doch nix für den ESC. Meine Meinung.

17. Ukraine
Alyosha – Sweet People

Oh, die spielt bestimmt in der nächsten Stephanie-Meyer-Verfilmung mit, oder? Die Stimme ist wie das Lied ist wie die Frau: blass und dünn. Sie muss sich schon gegen den Wind guten Geschmacks stemmen, der sie von der Bühne fegen will, aber sie hält durch. Und was anderes bleibt mir wohl auch nicht übrig…

18. Frankreich
Jessy Matador – Allez Olla Olé

Ein Stadionsong, wie passend zur Fußball-WM. Dass sonst keiner darauf gekommen ist… Aber irgendwie ist der Song ganz eingängig, und die Bühnenshow ist echt schmissig. Ich weiß zwar nicht, wie das im Rest Europas so ankommt, aber ich denke, das hat Charme, Sexappeal und durchaus Chancen.

19. Rumänien
Paula Seling & Ovi – Playing With Fire

Naja. Die Dame hat eine interessante Stimme – mehr als ich erwartet hätte, aber der Typ gleicht das locker wieder aus. Und gleich zersingt sie den gläsernen “Flügel”…  Neee, ich weiß nicht. Der Knaller war das nicht, aber wir haben auch chlechteres gesehen und gehört heute abend.

20. Russland
Peter Nalitch & Friends – Lost And Forgotten

Der Typ läßt seine Songs kostenlos aus dem Internet herunterladen. Kein Wunder – wer würde denn auch für sowas bezahlen? Und seinen Text muss er ablesen? Boah, der Song ist so kalt wie der sibirische Winter. Lost and forgotten – der Titel ist Programm.

21. Armenien
Eva Rivas – Apricot Stone

Wenn man für das Décollté anrufen darf, bekommt sie meine Stimme. Auch wieder ein Versuch, ethnische Elemente mit modernem Pop zu mischen. Auch wieder daneben gegangen. Schade eigentlich. Dazu noch der gespielte Witz da im Hintergrund…

22. DEUTSCHLAND
Lena – Satellite

So. Jetzt aber. Das Publikum scheint sie schon mal zu mögen. Das finde ich prima. Der Song hat Schwung, vielleicht noch ein bißchen mehr als im Radio Edit? Klingt frisch, peppig, und Lena gibt wieder alles. Sie ist ganz Lena, und das meine ich als Kompliment. Die extrem sparsame Inszenierung passt perfekt, ich fand’s klasse.

23. Portugal
Filipa Azevedo – Há Dias Assim

Bin ich eigentlich alleine mit der Meinung, dass Portugiesisch sexy klingt? Und in der Verpackung alle Mal. Hübsches Mädel. Der Song ist schon wieder Filmmusik, oder? Der Typ steigt in seinen Wagen und fährt in den Sonnenuntergang, und sein Mädel schmachtet ihm hinterher…

24. Israel
Harel Skaat – Milim

Ein Lied über Verlust und enttäuschte Liebe. Genau das, was man sich an einem netten Sonnabend Abend wünscht. Der Schönling steht verloren im blauen Lichtnebel der Bühne und besingt die Falafel, die ihm runterfiel. Oder so. Weniger Geheule mit weniger Tremolo würde mangelndes Stimmpotential nicht so deutlich zutage treten lassen.

25. Dänemark
Chanée & N’evergreen – In A Moment Like This

Was ist das denn? Ich habe das Gefühl, jeden teil des Liedes kenne ich aus anderen Liedern, aber nicht in dieser Zusammenstellung. Auch die kriegen den Wind von vorne – zu Recht. “Opfer der gnadenlosen Windmaschine”, sagt Peter Urban. <LOL!!!>

Tja, der Spanier wird auch bei der Wiederholung nicht besser. Zumindest hat er Stimme. Und wird jetzt natürlich umso besser in Erinnerung bleiben.

So, und jetzt fahre ich mal eben Richtung Grenze, bis sich mein Handy ins dänsiche Netz einbucht, und dann rufe ich 12x für Lena an. <g>

So, kommen wir zur Auflösung des heutigen Eurovision Song Contest Rätsels. Wie es ausgeht? Tja, ich weiß es nicht. Ich wage es nichtmal zu tippen. Ich sehe Norwegen vorne, Irland, Rumänien war nett, Weissrussland war theatralisch genug um zu gefallen, Frankreich war fetzig und ganz vorne hoffe ich auf Lena.

Moment… was wird das jetzt? Der Eurodance? Na suuuuuuuuuper.
Schon blöd, wenn man als Vortänzerin die Choreographie vergisst, wenn gerade die Kamera voll drauf hält… Aber irgendwie ist das schon lustig, da zuzusehen. Meine Güte, die gehen ja bis in die Wohnzimmer… Warum sind denn die ganzen armen kleinen Kinder noch wach? Kann ich den Typen mitten in der Nordsee nochmal sehen, bitte? <g> Doch, coole Nummer das. Hat mich amüsiert.

Naja, bisher hat es zumindest aus jedem Land Punkte gegeben – das ist besser als die letzten Jahre. Mal gucken, wie es weiter geht. Peter Urban sagt, ‘wir’ wären “momentan Zweiter”. Jetzt sind wir sogar Erster. Unglaublich. Diesmal verteilen sich die Punkte erstaunlicher Weise viel gleichmäßiger, sodass es nicht einmal einer Serie von 12 Punkten bedarf, um Lena auf den Platz 1 zu schießen. Boah. Das wird ja immer besser. Ich fasse es nicht. Erst Nicole, jetzt Lena.

So. Fertig. Der Drops ist gelutscht, das Ding ist gelaufen, das war’s dann. Lena hat gewonnen. Der deutsche Beitrag hat den Eurovision Song Contest gewonnen. WIR haben gewonnen. Wow. Herzlichen Glückwunsch, Lena! Du hast es verdient. :-)

Socken in Songs?

Ich habe heute nacht geträumt. Ich weiß nicht genau, was ich träumte, aber heute morgen bin ich mit einer bohrenden Frage im Kopf erwacht: Es gibt Songtexte über fast alles. Von solch hehren Ideen wie der großen Liebe bis hin zu profanen Alltagsdingen wie Kaffee.

Wozu mir allerdings spontan weder ein Songtitel noch überhaupt auch nur eine Textzeile einfällt sind: Socken. Kann das sein? Hat noch keine Künstlerin, kein Songwriter sich je mit Socken beschäftigt?

socken

Helft mir, bitte. Ich suche den besten Song, in dem Socken vorkommen. Egal ob im Titel oder nur nebenbei erwähnt, egal in welcher Sprache. Bitte antwortet hier in den Kommentaren oder per Twitter @_buck und schickt mir Eure Links zu entsprechendem Liedgut! Die gesammelten Ergebnisse gibt’s dann hier im Blog…

Suchbild

Okay, es ist schon ein paar Tage her, dass wir auf dem Frühlings-Jahrmarkt waren. Ich habe das Bild gerade erst auf dem Handy wiedergefunden, und ich möchte Euch natürlich teilhaben lassen. Lasst uns mal die… äh… Seltsamkeiten dieses Bildes finden:

erschreckungstechnologie

Nein, ich meine nicht die Sonderlackierung des Fahrzeuges in Schnodder-Gelb nichtglänzend – so eine Farbe *kann* kein Fahrzeughersteller serienmässig anbieten, oder? Nein, lassen wir erst einmal den Gesamteindruck wirken.

“Erschreckungstechnologie”, steht da. Eine interessante Wortschöpfung; und um eine solche handelt es sich unbestreitbar, denn Google findet exakt einen Treffer, der sich auf genau diesen Schausteller-Betrieb bezieht. Früher hieß das bei uns einfach ‘Geisterbahn’, zwischenzeitlich vielleicht noch pseudo-modern anglisiert ‘Ghost Train’ oder ‘Haunted House’, oder aber – Allgemeinbildung und Weltoffenheit beweisend – ‘Van Helsing’ oder ‘Psycho’.

Natürlich kommt ein Betrieb, der mit so viel Kreativität gesegnet ist, auch nicht einfach aus irgendeinem kleinen Kaff in Dithmarschen oder Nordfriesland. Solch kreative Menschen gibt es natürlich nur in einer echten Metropole, in Berlin. Um das ganze ein bißchen abzumildern, gibt man dann zähneknirschend zu: Holstein – Berlin. Ob es sich dabei um einen unentdecketen Ort namens Berlin in Holstein handelt oder den verschollen geglaubten Berliner Stadtteil Holstein, bleibt uns verborgen. Alternativ könnte es sich natütlich auch um eine dieser Aufzählungen handeln, wie die ganz großen Modelabel sie verwenden: “Paris – Mailand – Rio – New York” heißt es da, und beim Rico heßt es eben “Holstein – Berlin”. Nicht ganz so beeindruckend, aber irgendwo muss man ja anfangen.

Und last but not least beweisen Rico Rasch und seine Söhne, dass sie ihr Geschäft auch beherrschen. Denn jeder Schriftsetzer, Mediengestalter, Typograph, interessierter Laie oder auch nur Ästhet wird sich schaudernd, wenn nicht gar schreiend, aber in jedem Fall erschreckt abwenden, wenn er das als ‘und’-Zeichen mißbrauchte Eszet (ß) sieht. Und das ganz ohne jede Technologie.

Vatertag

Damals, da haben wir uns über Eltern lustig gemacht. Menschen, die ohne zu zögern oder zu klagen wilde Farbschmierereien ihrer Sprösslinge an prominente Stellen ihrer Wohnung hängten – die Kühlschranktür war da noch eher ein versteckter Platz! Oder die mit größter Selbstverständlichkeit einen unglasierten Tonklumpen mit seltsamen Auswüchsen und mit einer kleinen Vertiefung in der Mitte [1] stolz als den selbst gebastelten Aschenbecher ihres Kindes präsentierten, den sie trotz seines Aussehens und trotz der Tatsache, dass sie gar nicht rauchten, prominent auf dem Wohnzimmertisch drapierten (und noch extra mit einem Spotlight ausleuchteten).

Und heute habe ich eine Tochter von exakt 2 Jahren, 8 Monaten und 21 Tagen, und ich bin rasend stolz auf alles, was sie kreiert. Heute, zum Papa-Tag habe ich zwei selbst bemalte Becher von Ihr geschenkt bekommen – einen für zuhause und einen für’s Büro. Und weil ja das Internet jede Kühlschranktür und jeden ausgeleuchteten Wohnzimmertisch um Längen schlägt, wenn man solche Kunstwerke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen will, präsentiere ich hier mit geschwellter Brust und voll väterlichem Stolz die Machwerke:

090521_becher01

Für zuhause...

090521_becher02

Für's Büro...

Und da in guter Tradition Eltern nicht nur stolz auf die Schöpfungen ihrer Nachkommen sind, sondern auch auf eben jene Nachkommen selbst, hier noch die entsprechenden Fotos vom Live-Shooting [1] bei der Erstellung:
090521_kuenstlerin01

090521_kuenstlerin02
—–
[1] Naja. So ungefähr jedenfalls.
[2] Sorry, ich sehe nebenbei gerade das Finale von Germany’s Next Topmodel, das färbt ab…

Es ist mal wieder so weit. Der Eurovision Song Contest 2009 findet heute abend in Moskau statt. Und es kam für mich ziemlich überraschend… ich hatte nichts von dem deutschen Vorentscheid mitbekommen. Wie auch – es gab in diesem Jahr keinen. Der deutsche Teilnehmer wurde von Experten ausgewählt und ist dann gleich auf Europatour gegangen, um schon mal für den Song zu trommeln.

Auch von den ganzen Regeländerungen erfuhr ich erst, als ich hektisch nach Infos suchte. So wird es in diesem Jahr erstmals wieder in allen Ländern eine Expertenjury geben, die zusätzlich zu den offenen Telefonvotings der Zuschauer ihre Wertung abgibt. Beide Wertungen werden zusammengelegt und fließen zu gleichen Teilen in die Gesamtwertung ein, die dann nach Moskau übermittelt wird.

Ob das allerdings das große Problem der letzten Jahre verhindern kann, wo man sich des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass sich Nachbarländer und befreundete Staaten insbesondere des eher östlichen Eurovisions-Raumes die Punkte gegenseitig zugeschoben haben…

Mal sehen was es dieses Jahr wird. Ich gestehe, ich habe noch keinen einzigen Song vorher gehört, nicht einmal den deutschen Beitrag bewußt und vollständig. Ich bin also völlig unvoreingenommen…

(Edit am 17. Mai: ich habe in Klammern die Plazierung der jeweiligen Teilnehmer nach der Endauswertung hinzugefügt.)

01. Litauen (23)
Ohje. Freddie Mercury trifft Elton John im Körper eines Dandys, und beide fühlen sich darin offensichtlich sehr unwohl. Sie quälen sich und schreien, leiden, weinen. Die TFDW© schaltet um, weil sie es nicht erträgt – ich kann sie verstehen.

02. Israel (16)
“There Must Be Another Way”. Ein politischer Auftritt? Das würde die Mittelmäßigkeit auch nicht wirklich rausreissen… Die Damen sehen aus wie Mutter und Tochter Addams und singen auch so.

03. Frankreich (08)
Madame Rachenkatharr, Patricia Kaas. Die Grande Nation besinnt sich auf ihre Wurzeln, den großen Chanson mit den großen Gefühlen, gesungen von großen Frauen. Na, zumindest kommt sie ohne schmückendes (ablenkendes) Beiwerk aus. Klingt wie ein vertontes französisches Filmdrama – und die mag ich auch nicht.

04. Schweden (21)
Die Schweden sind ja irgendwie seit ABBA *immer* große Mitfavoriten. Man weiß es nicht – stellt das Kostüm der Dame nun eine Klobürste dar, ist sie ein schon stark mitgenommener Swiffer oder versuchen einige Tribbles, an ihr hochzuklettern? Wenn letzteres, dann versucht die Dame gerade erfolgreich, sie mit Ultraschall-Gequieke zu vertreiben…

05. Kroatien (18)
Drakula und seine Bräute – hätte ich eher aus Rumänien erwartet, aber die Grenzen sind auf dem Balkan ja sowieso eher fließend. Der Song kommt mit total bekannt vor – ich glaube, der seiherte auch aus den Lautsprechern, als ich das letzte Mal bei Bosko einen Zigeunerspieß verdrückt habe. Geht nur mir das so, oder klingt das IMMER alles gleich?

06. Portugal (15)
Karneval do Portugal. Niedlich. Ein nettes, fülliges Mädel und ihre Freunde verbreiten verordnete Fröhlichkeit. 42 Mal dabei, hat Portugal noch nie gewonnen. Und das wird auch diesmal nix, sorry. Schickt nächstes Mal einfach Nelly Furtado.

07. Island (02)
Süß! Die sieht aus wie die Barbie, der meine Oma ein Kleidchen gestrickt hatte und die wir dann auf der Hutablage hinten im Auto stehen hatten – in einer Klopapierrolle. Aber sie hat ein hübsches Gesicht und eine ziemlich beeindruckend volle Stimme. Das Lied finde ich persönlich gar nicht mal so schlecht; eine seichte Pop-Ballade.

08. Griechenland (07)
Der griechische Robbie Williams… ach je. Bloß viel älter. Mit zu enger Hose und zu kurzem T-Shirt. Und die Choreographie sieht aus wie zweite Stunde TV-Dancing mit Detlef ‘D’ Soost. Der Song soll ein Party-Kracher sein (oder werden)? Dann mache ich im Sommer keinen Urlaub in Griechenland, sonst muss man womöglich damit rechnen, dass das in das Abend-Animationsprogramm im Hotel aufgenommen wird. «schauder»

09. Armenien (10)
Ethno-Party mit den blauen Derwischinnen aus Armenien. Ich habe eine ganze Zeit gebraucht, bis ich verstanden habe, dass das tatsächlich Englisch sein soll, was die da gesungen haben. Oder doch nicht??

10. Russland (11)
Eine füllige russische-ukrainische Version von Heintje schmettert Mama in eben jenen Sprachen. Nur nicht halb so anrührend, nicht halb so gut (und ich verrate Euch lieber nicht, was ich von Heintje halte!), dafür doppelt so laut. In Kombination mit dem verstörenden Morphing-Bühnenbild im Hintergrund eher verschreckend. Aber das Publikum vor Ort findet’s total schön. Naja…

11. Aserbaidschan (das schreibt man tatsächlich so!) (03)
Wow. Das Mädel ist eine Augenweide. Aber warum muß sie mit dem großen Bruder von Bernhard Hoecker singen? Das findet die Bildregie wohl auch, denn zum Glück ist er kaum im Bild. Der Song klingt zur Abwechslung tatsächlich mal ganz flott.

12. Bosnien-Herzegowina (09)
Ah, kleine weiße Zinnsoldaten bedauern den Tod ihrer Großmutter. Heroische Gesten und die Frisur in memorian Daniel Schumacher. Klingt alles sehr angestrengt und absolut un-eingängig.

13. Moldavien (14)
Piroschka ruft die Gläubigen zum Gebet, und im Hintergrund tanzen die vier Enkel von Arpad, dem Zigeuner. Funkenmariechen, da könnt ihr noch was lernen! Immerhin ist da mal Schwung und Stimmung auf der Bühne.

14. Malta (22)
Sieht ein bißchen aus wie Irland, aber dafür klingt der Song nicht deprimiert genug. Unspektakuläre Bühnenshow (also eigentlich gar keine) – braucht sie auch nicht, das Lied klingt hymnisch, die Stimme ist gut. Gefällt mir.

15. Estland (06)
Schon wieder nichtssagender baltischer Ethnopop. Ach menno, mir fällt nicht mal was sarkastisches ein, was ich jetzt sagen könnte. Ausser vielleicht, dass ich die Cellos der Damen vielleicht ein ganz klein wenig beneidet habe. ;-)

16. Dänemark (13)
Ich mag unsere nördlichen Nachbarn wirklich gern. Aber das war gar nichts! Aber das Beste an dem Auftritt waren die Pyro-Effekte. Die sahen besser aus, und die hätten vermutlich auch besser geklungen, wenn die komische Musik sie nicht übertönt hätte.

17. Deutschland (20)
Was soll ich sagen? Der Song ist gar nicht so schlecht, finde ich. Und Retro-Swing ist ja auch in. Aber wenn man schon Ditta von Teese auf die Bühne stellen muss, damit man sicher ist, dass sich die Leute an einen erinnern… Aber dafür hätte bestimmt auch die Hose von Oscar gereicht.

18. Türkei (04)
Sex sells, weiß auch die Türkei. Viel Haut, wenig Stimme. Türkische Folk-Melodie mit englischem Text – hat das die letzten 15x funktioniert? Nein. Also.

19. Albanien (17)
Ich war abgelenkt und habe nichts von dem Song mitbekommen. Das sagt ja schon so einiges. Hm. Die Background-Tänzer von Katja Ebsteins ‘Theater’ aus dem Jahre 1980 treffen auf Fantomas, aber die Künstlerin sieht ganz nett aus.

20. Norwegen (01)
Schnuckeliger Typ, sagt die TFDW©. Der Song erinnert mich auch schon wieder irgendwie an ‘Theater’ von Katja Ebstein. Schön fiedeln kann er, aber nach dem Top-Favoriten sah mir das nicht aus. Aber was weiß ich denn…

21. Ukraine (12)
Was soll das denn sein??? Caligula meets Auntie Entity (Mad Max III)? Revidiere meine Meinung von oben – Sex sells eben doch nicht immer. Wenn der Song kein Fundament bietet, ist die schönste Bühnenshow eben nur hohl und inhaltsleer. Aber wahrscheinlich werden die Osteuropäer das wieder ganz großartig finden und mit Punkten überschütten – mark my words.

22. Rumänien (19)
Guck mal – kein Ethno, kein Dracula, keine jammerige Ballade über verschollene Väter, sterbende Mütter und Lämmchen, die in den Karpaten verloren gehen. Nicht dass ich das jetzt sonderlich gut fand – aber man ist ja schon froh, wenn es mal *anders* ist.

23. Großbritannien (05)
Britain’s got talent – wir haben Paul Potts gesehen, wir durften Susan Boyle kennen lernen. Wir fragen uns, warum die Briten den Eurovision Song Contest nicht in Reihe gewinnen. Und dann sehen wir, was die Inselbewohner dieses Jahr zum Wettbewerb geschickt haben, und wir wissen es wieder. Nette Lady, netter Song, aber letztendlich wohl ebenso bedeutungs- wie chancenlos.

24. Finnland (25)
Hey, kein Heavy Metal. Die Truppe erinnert mich ein bisschen an Boney M. in hellhäutig. Also nicht so gut jetzt, aber genauso alt wie Boney M. heute. Gesanglich flach, der Song bestenfalls langweilig, und die beste Performance hat das brennende Metallfass hingelegt.

25. Spanien (24)
GNTM 2008, die Jenny, singt für Spanien? Wow. Und die Tanzgarde übt ein bisschen Tai-Chi. Dazu englische Schüttelreime – ich glaube, wer ‘take’ und ‘shake’ in einem Refrain reimt, der bekommt nur sehr schwer eine Einreiseerlaubnis in die USA und nur sehr wenig Punkte beim ESC. Temperamentvoll? Vielleicht. Gut? Weit davon entfernt!

So, das waren dann schon alle Teilnehmer des Finales. Und zwei Kosmonauten freuen sich, dass sie so weit weg sind und nur jetzt einmal kurz den Startschuss zum Voting geben müssen.

Was sind meine Tipps? Hm… Griechenland und Norwegen waren massentauglich, mir persönlich gefielen Malta und Island. Russland, die Ukraine und Rumänien könnten einen großen Fankreis im Osten Europas ansprechen. Deutschland schafft es mit Glück in die Top 10.

Das Voting
Oh weia. Norwegen geht spektakulär in Führung. Der sah zwar ganz niedlich aus, aber der hat die Töne doch völlig verhauen. Aber hey, Daniel Schumacher ist ja auch der deutsche Superstar 2009 geworden…
Und die Europäer sehen das offensichtlich genau so: man muss in erster Linie ganz niedlich aussehen; Gesangsqualitäten sind zweitrangig. Und ja, der Titel hätte auch gut aus der Feder von Dieter Bohlen stammen können.

Was mich versöhnt – ich habe mit meinem Geschmack gar nicht so falsch gelegen – immerhin ist Island auf Platz 2. Den 20sten Platz für den deutschen Beitrag… naja, vielleicht war die Idee mit Titta dann doch nicht so genial.

Fazit
Um in Deutschland Superstar zu werden und im Großreich der Eurovision den Song Contest zu gewinnen reicht es nicht, eine leidlich gute Stimme zu haben – man muss mit dieser Stimme auch schlecht umgehen können. Dafür sollte man aber niedlich aussehen.

Nicht ethnisches Zugehörigkeitsgefühl und nachbarschaftliche Verbundenheit haben in diesem Jahr über den Erfolg entschieden, sondern in erster Linie die Fähigkeit, weibliche Zuschauerinnen einer möglichst breiten Altersklasse zum Anrufen zu bewegen.

Und noch eine Parallele zwischen DSDS und ESC 2009 kann ich entdecken: ich glaube, dass weder Daniel Schumacher noch Alexander Rybak sich lange in den Charts oder auch nur den Köpfen der Leute werden halten können. Nicht einmal die jeweiligen Siegertitel haben meines Erachtens nach internationale Hitqualitäten. Zum einen Auge rein, zum anderen Ohr wieder raus. Und ich würde das nicht einmal bedauern.

Hach, süße Jugend…

Filmplakat 'Ivanhoe'

Auf WDR3 läuft gerade ‘Ivanhoe’. Ich fand es zufällig beim ziellosen Herumzappen, während ich darauf warte, dass die TTDW© aus dem Mittagsschlaf [1] erwacht.

Beste Wochenend-Nachmittags-Unterhaltung! Ich erinnere mich an Gelegenheiten in meiner Jugend, wo ich auch am Nachmittag solche Filmschinken gesehen habe. Ivanhoe, El Cid, Robin Hood, aber gerne auch Lederstrumpf, Winnetou I – III oder Rio Bravo [2]. Und sobald der Abspann lief, bin ich in den Garten gelaufen und habe mir den nächstbesten Ast geschnappt. Dieser wurde dann je nach vorher gesehenem Genre zum Schwert, zum Bogen, zur Silberbüchse oder zur Winchester.

Und dann fielen reihenweise Sträucher und Bäume meinen unbarmherzigen Schwertstreichen zum Opfer, aus der sicheren Deckung der Himbeerbüsche heraus wurde der Nachbarshund mit virtuellen (!!) Pfeilen eingedeckt und ganze Horden imaginärer Angreifer wurden durch den Einsatz der berühmten Feuerwaffen schon am Gartentor zurückgeschlagen.

Ich guck jetzt lieber nicht weiter, sonst werde ich wehmütig. Oder ich renne gleich raus in den Garten und…

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[1] Natürlich musste sie mit sanfter Gewalt ins Bett bugsiert werden, weil sie ja ‘gar nicht müde!’ war. Und nach 5 Minuten war Ruhe. War ja klar. ;)

[2] John Wayne. Aber das wußtet Ihr, oder?

SparschälerEines der letzten Geheimnisse der Menschheit betrifft das Verschwinden von Socken. Jeder hat das bereits erlebt – nicht immer, zugegeben, aber doch mit bedenklicher Regelmäßigkeit verschwinden Socken in der Waschmaschine. Man gibt drei Paar, also sechs einzelne Socken, in die Wäsche, nach Abschluß dieser Prozedur ist eine von diesen sechs Socken verschwunden. Auf welcher Station des Weges vom Schmutzwäsche-Korb bis zur Rückkehr in die designierte Sockenschublade die Socke abhanden kommt, läßt sich nie feststellen; Tatsache bleibt, dass einzelne Exemplare dieser Gattung immer wieder verschwinden.

Der gemeine Sparschäler, auch ‘Gemüseschäler’, ‘Handschäler’ oder schlicht ‘Abschäl-Dingens’ genannt, ist sozusagen die Socke unter den Besteckteilen. Immer wieder passiert es, dass einzelne Sparschäler auf dem Weg aus der Besteckschublade über die Arbeitsplatte und den Geschirrspüler und zurück verschwinden. Dort, wo er gestern noch war, ist er heute nicht mehr; Reste irgendwo in der Küche klebender hauchdünner Streifen von Möhren- oder Gurkenschale beweisen, dass es ihn gegeben haben muss, aber das macht das Verschwinden nur schmerzlicher, weil offenkundiger.

Der Sparschäler ist weg, endgültig. Ein neuer muss her, aber das ist nicht so einfach. Niemand denkt beim Einkaufen daran, einen Sparschäler mitzunehmen. Man geht nicht gezielt in ein Geschäft, um einen Sparschäler zu kaufen. Ich glaube, man könnte bei W. M. F. einen Sparschäler kaufen, aber das machen nur Snobs. Normale Menschen kaufen ihren Sparschäler von diesem großen Bord am Kopf des Regales, an dem all die Fackelmann-Sachen hängen. Das Problem dabei ist natürlich, das man dieses Regal normalerweise beim einkaufen immer ignoriert. Fazit ist also meist, dass man vom einkaufen nach Hause kommt, einen vertrockneten dünnen Streifen Gurkenschale findet und sich daran erinnert, dass man den Sparschäler vergessen hat.

Eines Tages dann braucht man unbedingt diese bunten Piekser aus Plastik, mit denen Mutti damals auf Partys immer diese Käsehäppchen mit Weintrauben zauberte, oder man benötigt dringend ein Einzieh-Gummiband für die Feinripp-Unterhose, man braucht dringend Zahnstocher, ein Teeei oder so einen Anstichapparat für Frühstückseier. Diese Dinge – und natürlich Sparschäler – findet man an der Fackelmann-Wand. Und so kommt man glücklich mit Feinrippunterhosengummiband und einem neuen Sparschäler nach Hause. Tage-, ja manchmal sogar wochenlang liegt der Sparschäler dann auf der Arbeitsplatte, stets in der Nähe des Biomüll-Eimers und schält Kartoffeln, Gurken, Karotten, Zucchini oder Spargel (und gelegentlich vielleicht auch mal eine Fingerkuppe).

Das ist übrigens auch so ein Phänomen im Zusammenhang mit Sparschälern: Sie scheinen sich nicht mit anderen Besteckteilen zu vertragen. Sparschäler scheinen einen geradezu unzähmbaren Drang zu haben, aus der Besteckschublade zu entkommen. Immer wenn man meint, man hätte den Sparschäler an seinen Platz in sein Fach gelegt, stellt man nur wenig später fest, dass er sich von dort davongemacht und zurück auf die Arbeitsplatte geklettert ist. Das ist wahrscheinlich auch die Begründung für ihr letztendliches Verschwinden: die Freiheitsliebe von Sparschälern ist derart groß, dass sie zuerst aus der Besteckschublade, dann von der Arbeitsplatte, aus der Küche und aus dem Haus entkommen.

Und so passiert es dann, dass die Tollste Freundin der Welt© in die Küche kommt, den frisch geleerten Biomülleimer in der Hand, und sie auf die Frage “Du sag mal, wo ist eigentlich der Sparschäler?” auch nur antworten kann “Oh, ist schon wieder einer entkommen?”

Nur für Insider…

Mist. Da zahlt man viel Geld dafür, dass der Regisseur den Firmennamen in das gelungene Werbevideo eines anderen Kunden schmuggelt, und dann vergessen die Idioten ein “C”… ;-)

(aus dem neuen VISA-Werbespot…)

Sabbeln statt tippen

Ich habe ihr nie gelernt, im 10-Finger-System zu schreiben. Nein, das ist falsch – ich habe es einmal in der Volkshochschule gelernt, aber nie wirklich angewendet, und manche Dinge, die man nicht übt, verlernt man wieder [1]. Das ist nicht so tragisch, wenn ich genau weiß, was ich schreiben soll. In diesem Fall bin ich mit meinem Zweieinhalb-Finger-Suchsystem dank der vielen Übung leidlich schnell. Wenn ich aber formulieren und tippen soll, wird es offensichtlich sehr schwierig.

Ich habe mich immer wieder dabei erwischt, dass ich Arbeiten, die die Erstellung längerer Texte beinhalteten,immer wieder vor mir her schob. Wenn ich längere E-Mails zu schreiben hatte, habe ich einen Vormittag ja manchmal sogar einen ganzen Tag daran gesessen. Das lag sicherlich zum einen daran, dass es häufig um sehr feine Nuancen in der Formulierung geht, aber zum anderen auch ganz sicher daran, dass ich nicht vernünftig schnell tippen kann.

Gestern Abend nun beobachtete ich in dieser komischen Abendserie auf R. T. L., wie eine der Figuren geradezu mühelos einen Text in einen Computer diktierte. Ich erinnerte mich daran, dass ich vor langer Zeit einmal ein Softwarepaket zum Testen bekommen hatte, nämlich WordPerfect inklusive Dragon NaturallySpeaking. Dummerweise die englische Version, aber hey, ich spreche ziemlich gut Englisch, und zum Ausprobieren reicht das alle Mal.

Ich erinnere mich noch, wie ich damals die Packung euphorisch aufriss, das Programmpaket installierte und mich mit Feuereifer daran machte, Dragon meinen Sprechstil beizubringen. Das allerdings erwies sich als etwas tückisch. Das Lernprogramm präsentierte mir Seite um Seite des Buches “Alice im Wunderland”, und meine damalige Freundin war ebenso verwundert wie pikiert [2], mich dabei zu erwischen, wie ich meinem Computer vier Stunden lang auf Englisch aus einem Kinderbuch vorlas.

Das Problem an der ganzen Spracherkennungstrainingsgeschichte ist ja, dass die Texte exakt vorgelesen werden müssen. Wie schnell passiert es, dass man mal ein Wort vergisst, dass man zwei Worte in der falschen Reihenfolge vorliest, dass man Worte nicht richtig liest – umso mehr in einer Fremdsprache. Ich verhaspelte mich andauernd, musste die Seiten natürlich von vorn beginnen, wurde müde und machte mehr Fehler, wurde wütend und machte noch mehr Fehler. Und wenn ich dann einmal eine Seite zu Ende und richtig gelesen hatte, musste die Software die Ergebnisse verarbeiten, und bei der damaligen Hardware dauerte das Stunden (gefühlt).

Irgendwann gab ich entnervt auf, hoffte, dass das bisher Geleistete genügen würde und versuchte, ernsthaft Texte zu diktieren. Natürlich geschah was zu erwarten war: es funktionierte nicht. Kein Stück. Die Erkennungsquote war katastrophal, die Verarbeitungsgeschwindigkeit nicht auszuhalten. Also biss ich in den sauren Apfel, wartete, bis meine Freundin aus dem Haus war [3] und versuchte erneut, das Trainingsprogramm von Dragon NaturallySpeaking erfolgreich zu bewältigen. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ist letztlich gedauert hat, aber irgendwann hatte ich es geschafft. Alle Trainingslektionen waren grün markiert und die Software teilte mir stolz mit, dass sie es nach mehreren Stunden Rechenzeit geschafft hätte, ein Sprachprofil für mich anzulegen. Ich könne jetzt damit beginnen, dem Computer Texte zu diktieren.

Der langen Rede kurzer Sinn: auch nach erfolgreich absolvierten Trainingseinheiten war die Spracheingabe in den Computer eine einzige Katastrophe. Es mag an der Software gelegen haben, es mag an der Hardware gelegen haben, es mag an mir gelegen haben [4] – fest steht, dass es nicht funktioniert hat. War auch nicht ganz so schlimm, schließlich musste ich zu dieser Zeit keine langen Texte tippen. Diese Tatsache hat mich natürlich leider auch nicht motiviert, das 10-Finger-System (wieder) zu erlernen. Ich legte das Thema Spracherkennungssoftware zu den Akten und hatte es völlig vergessen – wie gesagt bis zu dieser komischen Serie.

Ich machte mich also sofort auf die Suche, las Testberichte im Internet und verglich Produktfeature und Produktpreise. Es gibt offensichtlich nur drei Programme auf dem Markt, die wirklich nennenswert sind: Voice Pro 11 von Linguatec, Dragon NaturallySpeaking 9 von Nuance und Via Voice 10.5 von IBM. Allerdings: bei Via Voice steht ‘Nuance IBM Via Voice’, und bei Linguatec’s Voice Pro steht an einigen Stellen auch zu lesen, dass es ‘auf Via Voice basiert’. Alles scheint da irgendwie zusammen zu hängen… Trotzdem hat sich für mich aufgrund verschiedener Tests und Rezensionen Dragon Naturally Speaking als Favorit herauskristalisiert. Erleichtert wurde mir die Entscheidung, da ich zufällig auch noch eine Firma kenne, die Dragon NaturallySpeaking einsetzt und von denen ich mir heute morgen unkompliziert ein Laptop leihen konnte, auf dem das Programm installiert ist. Schnell noch mein altes und sehr einfaches [5] Headset angeschlossen und installiert – und dann Dragon NaturallySpeaking 9.5 geöffnet.

Benutzerprofil anlegen. Ich hatte es ja schon erwartet. Und dann: bitte das Programm trainieren. Oh je. Na gut, denke ich, Augen zu und durch. Wie schlimm kann es schon werden – diesmal habe ich ja wenigstens die deutsche Version. Und dann folgten ca. 25 Minuten Spracherkennungssoftware-und-Mensch-Abstimmung mit kurzen, einfachen Texten; dann noch ein paar Hands-On-Lektionen, um sich mit den Grundbegriffen der Bedienung vertraut zu machen. Zusammen vielleicht 40 – 45 Minuten, dann meldet Dragon NaturallySpeaking Vollzug.

Ja, ja – das hatten wir ja schon einmal. Angeblich ist alles gut, und wenn man es dann ernsthaft versucht, stellt sich heraus, dass doch wieder nichts klappt. Obwohl – bei den Selbst- und Nachmachübungen war ich von der Leichtigkeit und von den Ergebnissen schon sehr begeistert. Also frisch ans Werk – womit zuerst? Oh, da kommt eine Nachricht über Jabber in Pidgin an. Mal sehen… Cursor im Eingabefeld positioniert und beherzt losdiktiert. Und voilá  – es geht! Auf Anhieb steht der Satz richtig da, ohne irgendeinen Fehler. Okay, es waren keine komplizierten Worte drin: “Ja, vielen Dank, es wäre toll, wenn Du das noch erledigen könntest!” ist weder besonders poetisch noch Pulitzerpreis-verdächtig. Aber trotzdem: in Pidgin, auf Anhieb fehlerfrei. Ich bin begeistert.

Word – ah, okay, Word hat eine spezielle Unterstützung für die Spracherkennung; ich weiß zwar nichts Genaues, aber wenn man das Dokument speichert, fragt Word extra nach, ob man das Diktat auch speichern möchte. auf jeden Fall funktioniert das Schreiben von Texten schnell und reibungslos. Einfach großartig! OpenOffice Writer verhält sich ebenso unkompliziert. PSPad klappt auch sofort. Thunderbird: “Antworten!” öffnet sofort ein Antwortfenster für die E-Mail, die ich gerade ansehe – der Antworttext ist natürlich auch blitzschnell diktiert. Und last but not least habe ich diesen Text, mit über 1000 Worten, auch mit Dragon NaturallySpeaking “geschrieben”.

Ich habe heute ein Angebot, einen Brief und zwei längere E-Mails mit Dragon NaturallySpeaking verfasst. Normalerweise schaffe ich nicht einmal die Hälfte (oder schiebe solche Aufgaben vor mir her). Wenn ich jetzt noch etwas sicherer im Umgang mit den Befehlen werde, kann ich meine Produktivität sicherlich noch weiter steigern. Somit bin ich nach nur einem halben Tag Arbeit mit dem Programm begeistert und überzeugt. Der Preis von 250 Euro für die Preferred Wireless Edition inkl. drahtlosem USB-Headset erscheint  in diesem Zusammenhang geradezu günstig. Folgerichtig habe ich eine eigene Version sofort bei Amazon bestellt und kann es kaum erwarten, dass das Paket kommt…

—–

[1] Fahrradfahren gehört nicht dazu. Schreiben im 10-Finger-System sehr wohl.
[2] IHR hätte ich noch nie etwas vorgelesen, aber meinem blöden Rechner, oder wie?
[3] Und ich vergewisserte mich selbstverständlich, dass sie die nächsten sechs bis acht Stunden nicht zurückkehren würde…
[4] Zahnklammern haben, so wurde mir berichtet, eine verheerende Auswirkung auf Spracherkennungssoftware. Ich trug zu diesem Zeitpunkt allerdings keine mehr.
[5] 9,99 Euro. War auch nur dazu gedacht, mal Skype auszuprobieren, und die zwei Mal hat es auch gute Dienste geleistet… ;-)

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