Produkthaftung auf israelisch
1. July 2004 von -buck
In den USA gibt es ja bekannterweise die sogenannte Produkthaftung. Unternehmen sind für Schäden, die aus dem Gebrauch ihrer Produkte entstehen, haftbar. Die absonderlichen Blüten, die dieses Gesetz bisweilen treibt, sind ja immer wieder Anlass zum Schmunzeln, man denke nur an die Stella-Liebeck-Awards [1] und die (wahre) Geschichte der Namenspatronin, an die Klagen von Rauchern gegen die Zigarettenindustrie oder jetzt von Dicken gegen McDonalds (auch leider wahr), an die Geschichte mit der Dame, dem Pudel und der Mikrowelle (schön erfunden) oder an die Klage gegen Audi (leider zutreffend). Den Fällen gemeinsam ist, dass sich die Kläger darauf berufen, sie wären nicht ausdrücklich vor den Gefahren der Anwendung des verwendeten Produktes hingewiesen worden. Niemand hätte ihnen ausdrücklich und im Vorhinein verboten zu tun, was sie taten.
Mit den Urteilen zur Produkthaftung haben die Gerichte in den USA ein Mittel gefunden, ihre Verbraucher vor sich selbst zu schützen. Niemand muss sich mehr Gedanken über sein Handeln machen, egal wie unlogisch, gedankenlos oder aber schlicht dämlich die Tat ist. Wenn irgend etwas schief geht, dann kann man ja immer noch den Hersteller des verwendeten Produktes verklagen und damit die Verantwortung für Katastrophen jederzeit auf jemand anderen schieben.
Und weil die Israelis ganz viel von den Amerikanern halten und umgekehrt, finden die Israelis dies Prinzip auch ganz klasse. Deshalb schiebt der Herr Scharon die Schuld für palestinensische Anschläge jetzt auf den Internationalen Gerichtshof in Den Haag, weil der gesagt hat, dass die israelische Grenzmauer in ihrer jetzigen Form gegen das Völkerrecht verstößt. Der Fehler ist wahrscheinlich, wie in den oben angesprochenen amerikanischen Beispielfällen, dass das Völkerrecht nicht von vornherein die Errichtung von monströsen Sperranlagen in menschenverachtender Weise verbietet. Wie gedankenlos aber auch.
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[1] Da google ich nach “Stella-Liebeck-Preis”, und was finde ich? Jede Menge Weblogs, natürlich. War irgendwie klar…